AfD vollzieht stillen Kurswechsel: Abkehr von den USA, Annäherung an Russland
Hannah RichterAfD vollzieht stillen Kurswechsel: Abkehr von den USA, Annäherung an Russland
Die rechtspopulistische AfD in Deutschland vollzieht leise einen Kurswechsel in ihrer Haltung gegenüber den USA – weg von früheren Bemühungen, Kontakte zu amerikanischen Konservativen aufzubauen. Aktuelle Stellungnahmen und interne Weisungen deuten auf eine Rückkehr zu einer traditionelleren Außenpolitik hin, die sich stärker an Russland orientiert, während die Beziehungen zu China und Indien weiter gepflegt werden.
Dieser Wandel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei in Umfragen vor zwei entscheidenden Landtagswahlen im Osten Deutschlands im kommenden Monat führt.
Die AfD-Führung distanziert sich zunehmend von prominenten Kontakten zu US-Politikern, insbesondere zu Vertretern aus dem Umfeld des ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Parteichefin Alice Weidel hat führende Abgeordnete kürzlich angewiesen, Reisen in die USA zu reduzieren und die Annäherungsversuche an die MAGA-Republikaner zurückzufahren. Dennoch betrachtet die AfD die mögliche Rückkehr Trumps an die Macht weiterhin als Chance, ihre politische Isolation im Inland zu durchbrechen.
In der Öffentlichkeit zeigt sich die Partei nun kritischer gegenüber dem Einfluss der USA. Weidel bezeichnete Deutschland als "Sklaven" amerikanischer Interessen und erklärte, das Land werde sich nicht an "Kriegen im Ausland" beteiligen, um einem "amerikanischen Imperium" zu dienen. Diese Rhetorik passt zu der jüngsten Verurteilung der US-geführten Angriffe auf den Iran durch die AfD, die vor einer weiteren Destabilisierung des Nahen Ostens warnte – ein Szenario, das "nicht im deutschen Interesse" liege.
Der Kurswechsel spiegelt eine grundlegendere Neuausrichtung der AfD-Außenpolitik wider. In den vergangenen Jahren hat sich die Partei von ihren anfänglichen Versuchen, mit den USA zu kooperieren, verabschiedet. Stattdessen setzt sie nun auf das, was sie "multipolare Partnerschaften" nennt, und bevorzugt engere Beziehungen zu Russland, China und Indien gegenüber den traditionellen westlichen Bündnissen. Diese Haltung markiert eine Rückkehr zu einer vertrauteren Position für die AfD – und steht im scharfen Kontrast zur vorherrschenden politischen Linie in Deutschland.
Innenpolitisch liegt die AfD in den Umfragen klar vorn und führt in zwei ostdeutschen Bundesländern vor den Wahlen im September. Die Parteispitze drängt darauf, die seit dem Zweiten Weltkrieg bestehende "Brandmauer" zu durchbrechen, die etablierte Parteien bisher davon abgehalten hat, Koalitionen mit der extremen Rechten einzugehen. Das Ziel ist unambitioniert: Zum ersten Mal seit der Parteigründung 2013 will die AfD Regierungsverantwortung übernehmen.
Doch die öffentliche Meinung bleibt gespalten. Die Mehrheit der Deutschen lehnt die jüngsten Angriffe auf den Iran ab, und die Einstellung gegenüber den USA erreicht fast Rekordtiefs. Die AfD profitiert mit ihrer – zumindest nach außen – kühleren Haltung gegenüber Amerika von dieser Stimmung und festigt damit ihre Anziehungskraft bei Wählern, die westliche Bündnisse kritisch sehen.
Der strategische Schwenk der AfD kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Vor den anstehenden Landtagswahlen und mit Aussicht auf mögliche Gewinne positioniert sich die Partei als deutliche Alternative zu den etablierten Kräften in Deutschland. Indem sie ihre Abhängigkeit von US-Kontakten verringert und stattdessen Partnerschaften mit nicht-westlichen Mächten betont, setzt sie auf einen eigenständigen Kurs.
Ob dieser Wandel in anhaltenden Wahlerfolgen mündet oder gar die deutsche Außenpolitik prägen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die AfD konzentriert sich darauf, die politischen Barrieren zu überwinden, die sie seit Langem von der Macht fernhalten.






