06 March 2026, 13:00

Apothekensterben in Deutschland: 578 Schließungen – und kein Ende in Sicht

Ein Plakat mit Text und Logo, auf dem steht: "160 Milliarden Euro Einsparungen für Steuerzahler, da Medicare niedrigere Arzneimittelpreise aushandeln kann."

Apothekensterben in Deutschland: 578 Schließungen – und kein Ende in Sicht

Auf dem Kongress "Zukunft der öffentlichen Apotheken" entbrannte diese Woche eine hitzige Debatte über die Zukunft der Apothekenlandschaft in Deutschland. Experten und Politiker gerieten über Finanzierungsfragen, Reformen und die wachsende Zahl an Apotheken-Schließungen im Land aneinander.

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Die Diskussion flammte auf, nachdem neue Zahlen bekannt wurden: 2024 schlossen 578 Apotheken ihre Türen – die wenigsten seit den späten 1970er-Jahren –, während nur 48 Neueröffnungen hinzukamen. Allein in Nordrhein-Westfalen verschwanden 2025 bereits 97 Apotheken, ein Zeichen für die sich verschärfende Krise.

Kathrin Vogler von der "Linken" schlug vor, die feste Apothekengebühr auf 9,50 Euro anzuheben und sie langfristig an die Inflation zu koppeln, um Stabilität zu schaffen. Sie betonte, das deutsche Gesundheitssystem leide nicht an Geldmangel, sondern an falscher Verteilung der Mittel. Zudem forderte Vogler höhere Einkommensgrenzen für Sozialabgaben, um die finanzielle Belastung zu verringern.

Professor Dr. Hendrik Streeck von der CDU widersprach vehement und bezeichnete die Probleme als tiefe Finanzierungskrise. Er warnte, die parlamentarischen Beratungen stünden erst am Anfang, und mahnte umfassendere Reformen an. Streeck verwies zudem auf Risiken wie Cyberangriffe und Arzneimittelknappheit, die die Handlungsfähigkeit des Systems in Notfällen infrage stellten.

Thomas Preis, Präsident des "Deutschen Apothekerverbands (ABDA)", sprach von einer "beispiellosen Welle" an Schließungen aufgrund finanzieller Überlastung. Er regte an, die Behandlung leichter Erkrankungen von Hausärzten auf Apotheken zu verlagern, um beide Bereiche zu entlasten. Streeck hingegen plädierte für Alternativen zu Fixgebühren, etwa bessere Beratungsangebote und garantierte Präsenzzeiten vor Ort.

Vogler kritisierte scharf, dass die Regierung die Apothekengebühren per Rechtsverordnung regeln wolle, statt eine offene Debatte zu führen. Der Konflikt zwischen ihren Vorschlägen und Streecks Warnungen offenbarten tiefe Gräben bei der Bewältigung der Krise.

Die Debatte legte schonungslos die unterschiedlichen Positionen zu Finanzierung, Reformen und der Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem offen. Angesichts steigender Schließungszahlen und fehlendem Konsens steht das System vor weiteren Belastungen. Nun müssen Politiker und Branchenvertreter entscheiden, ob sie Gebühren anpassen, Mittel umschichten oder die Apothekenstrukturen grundlegend neu ordnen.

AKTUALISIERUNG

ABDA bestätigt 2025 Apotheken-Schließungen bei 502 – niedrigster Stand seit 1977

Die ABDA hat die Schließungszahlen für 2025 abgeschlossen und gibt 502 Schließungen und 62 Öffnungen bekannt. Wichtige Details sind:

  • 502 Schließungen gegenüber 62 Öffnungen, was 16.601 Apotheken landesweit entspricht.
  • Ein Rückgang von 2,6% (440 weniger Apotheken) im Vergleich zu 2024.
  • Ein Rückgang von 19,7% seit 2013, da stagnierende Gebühren die steigenden Kosten nicht ausgleichen konnten.