Australiens Gewerkschaften kämpfen für 35-Stunden-Woche und mehr Urlaub
Australische Gewerkschaften fordern weitreichende Reformen der nationalen Arbeitsstandards. Ihr Vorschlag umfasst die Verkürzung der regulären Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden sowie die Erhöhung des Jahresurlaubs von fünf auf sechs Wochen. Ziel der Initiative ist es, die Work-Life-Balance zu verbessern und Erschöpfungszustände zu verringern – ohne Lohnkürzungen für die Beschäftigten.
Der Australian Council of Trade Unions (ACTU), der Dachverband der Gewerkschaften, treibt die Kampagne voran. Er argumentiert, dass kürzere Arbeitszeiten die Produktivität und das Wohlbefinden steigern würden. ACTU-Präsidentin Michele O'Neil betonte, Australier*innen gehörten zu den Arbeitnehmern mit den längsten Arbeitszeiten in der industrialisierten Welt und verdienten fairere Bedingungen. Die Gewerkschaften sehen in den Änderungen zudem einen möglichen Schritt hin zur Vier-Tage-Woche – und das ohne zusätzliche Kosten für die Beschäftigten.
Wirtschaftsverbände wie die Australian Industry Group lehnen den Plan jedoch ab. Sie warnen, dass kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub den Fachkräftemangel verschärfen und die Kosten für Arbeitgeber in die Höhe treiben könnten. Bundesfinanzminister Jim Chalmers hat unterdessen bereits eine zusätzliche Urlaubswoche ausgeschlossen und distanziert sich damit von diesem Teil des Vorschlags.
Bei einer Umsetzung würde dies die größte Veränderung der Arbeitsstandards seit den 1970er-Jahren bedeuten. Die Gewerkschaften bestehen darauf, dass die Reformen notwendig sind, um den wachsenden Stress und die Überlastung in der Belegschaft zu bekämpfen.
Doch der Vorschlag stößt bei Arbeitgebervertretern und der Regierung auf Widerstand. Während die 35-Stunden-Woche noch diskutiert wird, ist die zusätzliche Urlaubswoche bereits vom Tisch. Das Ergebnis wird zeigen, ob Australiens Arbeitsgesetze ihre erste große Aktualisierung seit Jahrzehnten erfahren.






