Bachmann-Preis 2024: Schaettes Doppelsieg und eine Jury nur aus Frauen
Die Jury des Bachmann-Preises bestand in diesem Jahr aus sieben Frauen. Sie bewerteten eine Vielzahl von Texten, wobei wirtschaftliche Themen viele der Diskussionen prägten. Die meisten Einsendungen überzeugten, nur wenige blieben hinter den Erwartungen zurück.
Slata Roschal sorgte für Schlagzeilen, indem sie sich weigerte, nach ihrer Lesung vor der Jury zu erscheinen. Sie kritisierte den Literaturbetrieb für seinen Umgang mit Autorinnen und Autoren.
Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihre auf Ungarisch verfasste Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“. Ihr Text fing die täglichen Demütigungen und den Überlebenskampf unter solchen Bedingungen ein.
Schaette gewann den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis. Ihr Werk Was wir tragen setzte sich mit der lebenslangen Gewalt auseinander, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde für Vater ohne Sohn mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet – eine zurückhaltend, aber eindringlich erzählte Geschichte über die Herausforderungen eines schwulen Vaters.
Die Jury verwies auf wiederkehrende Motive wie den „Fleck“ oder „Makel“, die oft prekäre Lebensumstände symbolisierten. Erwähnt wurde auch Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gott als Angeklagter vor Gericht steht. Burkhard Spinnens früherer Aufruf zu „frontaler Opposition gegen alles“ in der Kunst kam ebenfalls in den Debatten zur Sprache.
Die Preise hoben vielfältige Stimmen und Themen hervor. Besonders stachen Schaettes Doppelsieg und Tóths Auszeichnung für ihre ungarische Erzählung hervor. Die Veranstaltung unterstrich das Zusammenspiel von Literatur, Ökonomie und persönlichem Kampf.
