Berlin reformiert Rettungsdienst: Weniger Bagatelleinsätze, mehr Fokus auf Notfälle
Lina SeidelBerlin reformiert Rettungsdienst: Weniger Bagatelleinsätze, mehr Fokus auf Notfälle
Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat Änderungen am Rettungsdienstgesetz beschlossen, um die Belastung für Rettungssanitäter und Krankenwagen zu verringern. Die Reform setzt wieder stärker auf die Bewältigung echter Notfälle und den Transport schwer erkrankter Patienten. Die Verantwortlichen hoffen, dass die neuen Regelungen unnötige Einsätze reduzieren und den Druck auf die überlasteten Dienste mindern.
Nach dem aktualisierten Gesetz werden Rettungskräfte nicht mehr zu jedem Bagatellfall ausrücken. Stattdessen kann zunächst ein einzelner Einsatzkraft entsandt werden, um unklare Lagen zu bewerten, bevor entschieden wird, ob ein Krankenwagen erforderlich ist. Patienten ohne akuten Notfall werden künftig an andere Versorgungsmöglichkeiten verwiesen, etwa an Hausarztpraxen oder Notfallbehandlungszentren.
Ein neues zentrales Leitstellensystem übernimmt zudem die routinemäßigen Patiententransporte, die bisher von Rettungswagen durchgeführt wurden. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, wie wichtig es sei, triviale Einsätze zu vermeiden, und argumentierte, dass Rettungsteams sich auf lebensbedrohliche Fälle konzentrieren müssten.
Die Reformen stoßen auf geteilte Reaktionen. Vasili Franco von den Grünen räumte ein, die Änderungen enthielten „viele richtige Ansätze“, kritisierte jedoch, sie gingen nicht weit genug. Oppositionspolitiker schlossen sich dieser Kritik an und behaupteten, die Maßnahmen brächten keine spürbare Entlastung für das erschöpfte Personal.
Ziel der Novelle ist es, die Notfallversorgung effizienter zu gestalten, indem weniger dringende Fälle herausgefiltert werden. Mit einem eigenen Dispatch-System für Routinetransporte und klareren Richtlinien für Einsätze erwartet die Stadt kürzere Wartezeiten bei schweren Notfällen. Ob die Reform gelingt, hängt davon ab, wie gut die alternativen Versorgungswege umgesetzt werden.






