Berliner Gerüstbauer kämpft mit kreativen Ideen gegen den Ausbildungsnotstand
Hannah RichterBerliner Gerüstbauer kämpft mit kreativen Ideen gegen den Ausbildungsnotstand
Ein Berliner Gerüstbauunternehmen öffnet diese Woche seine Türen für Jugendliche – im Rahmen der Woche der Berufsausbildung. Die von der Module Spezial-Gerüstbau GmbH veranstaltete Initiative soll Berlins dramatischen Mangel an Ausbildungsplätzen entgegenwirken. Mit nur 11 Prozent der Betriebe, die Lehrstellen anbieten, liegt die Hauptstadt bundesweit auf dem letzten Platz – viele Branchen kämpfen verzweifelt um Nachwuchs.
Die Veranstaltung findet in der Nähe des S-Bahnhofs Betriebsbahnhof Rummelsburg statt. Wer teilnehmen will, muss sich durch meterhohe Metallwände schlängeln und über Stahlplatten steigen, um überhaupt den Schulungsraum zu erreichen. Die Umgebung veranschaulicht den handfesten Charakter des Handwerks – etwas, das Geschäftsführer Andreas Krebs aus eigener Erfahrung kennt.
Krebs selbst stieg einst in die Gerüstbauer-Branche ein und wirbt heute dafür, dass mehr junge Menschen handwerkliche Berufe in Betracht ziehen. Er sieht Wissenslücken in der schulischen Ausbildung und eine zu behütete Erziehung als Gründe, warum viele Jugendliche sich schwer tun. Sein letzter Azubi brach die Lehre wegen Höhenangst ab – nun hat er drei unbesetzte Stellen für das nächste Jahr.
Um gegenzusteuern, schlägt Krebs steuer- und sozialabgabenfreie Löhne für Auszubildende vor. Zudem plädiert er für Ferienjobs, damit Teenager vor einer festen Zusage erst einmal Betriebsluft schnuppern können. Seine Sorgen teilen auch andere Metall- und Elektrobetriebe, wo die Zahl der Ausbildungsverträge 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 9,1 Prozent einbrach.
Unter den Gästen ist auch Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Organisiert wird die Veranstaltung von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit – ein Zeichen für die Dringlichkeit des Themas.
Die Aktion unterstreicht Berlins Ausbildungskrise: 89 Prozent der Unternehmen bilden nicht aus. Krebs' Ideen – wie steuerfreie Lehrlingslöhne oder Probearbeit – sollen Handwerksberufe attraktiver machen. Ohne Kurswechsel drohen Schlüsselbranchen jedoch weiter unter Fachkräftemangel zu leiden.