Berufsversorgungswerke in der Krise: Neue Zertifizierung soll Vertrauen retten
Mila VoigtBerufsversorgungswerke in der Krise: Neue Zertifizierung soll Vertrauen retten
Deutsche Berufsversorgungswerke stecken in einer sich verschärfenden Krise – immer mehr Einrichtungen müssen nach riskanten Investitionen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe abschreiben. Der Verband der Berufsversorgungswerke (ABV) hat nun eingelenkt und warnt, dass die Turbulenzen – insbesondere beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) – Zweifel an der Altersvorsorge freiberuflicher Fachkräfte schüren könnten. Als Reaktion führt der ABV ein neues Zertifizierungssystem ein, das die Kontrolle über Anlagestrategien, Risikomanagement und Governance in der Branche verschärfen soll.
Das neue Zertifizierungsverfahren des ABV verlangt von den Berufsversorgungswerken den Nachweis, dass sie strengere Richtlinien einhalten. Zwar gibt es in Deutschland 91 solche Einrichtungen, doch wie viele die aktualisierten Standards bereits erfüllen, bleibt unklar. Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem der Sektor mit schweren Verlusten aus hochriskanten Geschäften kämpft – und damit das Vertrauen in die speziellen Altersvorsorgesysteme untergräbt.
Die VZB-Krise hat beim ABV scharfe Kritik ausgelöst. Der Vorstand drängt auf schnelles Handeln und fordert einen "deutlich beschleunigten Zeitplan" für die Vorlage der Jahresabschlüsse 2024 und 2025. Zudem besteht er auf "zeitnahe, umfassende und transparente" Berichterstattung sowie auf eine stärkere Einbindung externer Expertise in Entscheidungsgremien.
Die Frustration über die zögerliche Aufarbeitung des Falls wächst. Der ABV hat seine Unterstützung für das VZB an die Erfüllung zentraler Forderungen geknüpft, darunter regelmäßige, faktenbasierte Fortschrittsberichte. Öffentliche Streitigkeiten über die Probleme des Fonds, so die Warnung, untergraben das ohnehin bröckelnde Vertrauen in das System weiter.
Mit dem Zertifizierungsoffensive und den Reformforderungen will der ABV Stabilität in den deutschen Markt der Berufsversorgung bringen. Da das VZB unter Druck steht, seine Finanzberichte zu beschleunigen und die Governance zu verbessern, könnte der Ausgang des Falls weitreichende Folgen für das Vertrauen in die Altersvorsorge Freiberuflicher haben. Die Krise hat bereits zu erheblichen Wertberichtigungen geführt – für die Einrichtungen wie ihre Mitglieder bleibt die Zukunft ungewiss.
VZB's Risikoreiche Investitionen aufgedeckt: Rechtsstreitigkeiten und Debatten über Governance entstehen
Die VZB-Krise hat spezifische hochriskante Investitionen offengelegt, die Verluste von rund 1 Milliarde Euro verursacht haben. Darunter sind Investitionen in ein kalifornisches Unternehmen für Kunststoffrecycling, eine norddeutsche Garnelenzucht und ein Berliner Versicherungsstart-up. Rechtsstreitigkeiten wurden gegen den ehemaligen Prüfer, ApoBank, Berliner Behörden und frühere Führungskräfte eingeleitet. Debatten über Governance- und Überwachungsreformen werden intensiver, während das Vertrauen in das System sinkt.