"Braunschlag" kehrt in die 1980er zurück – Nostalgie trifft auf politische Brisanz
Mila Voigt"Braunschlag" kehrt in die 1980er zurück – Nostalgie trifft auf politische Brisanz
Die österreichische Serie Braunschlag kehrt mit einer nostalgischen Note zurück und versetzt ihre Figuren – und den Ort selbst – in die 1980er-Jahre. Vierzehn Jahre nach einer Nuklearkatastrophe, die die Evakuierung erzwang, gilt die fiktive Gemeinde nun wieder als sicher. Doch die Bewohner kämpfen weiterhin mit alten Wunden und neuen politischen Spannungen. Schöpfer David Schalko hat alle Hauptfiguren zurückgebracht und historische Ereignisse wie die Folgen von Tschernobyl oder die Waldheim-Affäre in die Handlung verwoben.
Die neue Staffel entwirft Braunschlag als eine in der Zeit erstarrte Stadt des Jahres 1986 – mit Musik, Mode und politischen Umbrüchen der Epoche. Bürgermeister Gerri Tschach begrüßt die Rückkehr der vertriebenen Bürger, doch sein Optimismus prallt auf den Skeptizismus seines alten Freundes Richard Pfeisinger. Gleichzeitig nehmen langjährige Figuren wie Elfi Pfeisinger und Herta Tschach ihr Leben wieder auf, das noch immer vom Banküberfall der ersten Staffel geprägt ist.
Die Serie zeigt auch eine düstere politische Facette: Der Hardliner Sigmund von der "Blauen Partei" gründet eine Einsatztruppe, um die strengen Verordnungen von 1986 durchzusetzen. Seine Kampagne zur Abschiebung des schwarzen Priesters Ricardo verschärft die wachsende Unruhe. Im Disco Lametta sorgt Rondas Wiederauftauchen für neues Drama zwischen Babs Tschach, Kevin und Ronnie – alle noch immer von der Vergangenheit verfolgt.
Für das neue Format wurde die Geschichte zu zwei abendfüllenden Filmen verdichtet. Einige Figuren, wie Deborah, die Frau von Dr. Feist, decken tiefere Familiengeheimnisse auf, darunter die anhaltende Verbindung ihres Mannes zu seinem verstorbenen Vater. Der neue Leitspruch der Stadt, "Die Zukunft liegt in der Vergangenheit", unterstreicht den Kampf zwischen Fortschritt und Nostalgie.
Das Revival lässt Raum für mehr: Ein offenes Finale deutet auf mögliche weitere Staffeln hin. Indem die Serie persönliche Schicksale mit realen Krisen der 1980er – von Tschernobyl bis zum Aufstieg Jörg Haiders – verknüpft, verankert sie ihre Satire in der Geschichte. Braunschlag bleibt vorerst ein Ort zwischen Erinnerung und Neuerfindung.






