Das Ende einer Ära: Wiener Kunstforum schließt nach 30 Jahren seine Pforten
Mila VoigtDas Ende einer Ära: Wiener Kunstforum schließt nach 30 Jahren seine Pforten
Wiens Kunstforum, einst ein zentraler Ort für moderne Kunst, schloss 2025 seine Türen, nachdem die UniCredit Bank Austria ihre Förderung eingestellt hatte. Die Entscheidung markierte das Ende einer Ära für die Kulturlandschaft der Stadt und ließ die Zukunft des historischen Gebäudes in der Freyung 8 ungewiss. Trotz großen Interesses an der Immobilie steht ein neuer Mieter bisher noch nicht fest.
Das Kunstforum war jahrzehntelang eine feste Größe in der Wiener Kunstszene. Unter der Leitung von Ingried Brugger, der langjährigen Direktorin, erlangte die Galerie mit Ausstellungen von Künstlerinnen wie Frida Kahlo, Tamara de Lempicka und Georgia O'Keeffe überregionale Bekanntheit. Die Schau mit Marina Abramović im Jahr 2025 war die letzte kuratierte Veranstaltung vor dem Rückzug der Bank.
Die UniCredit Bank Austria verlagerte ihr kulturelles Engagement weg von klassischen Galerien. Stattdessen flossen die Mittel in digitale Kunstprojekte, den Bank Austria Park und die Wiener Symphoniker. Die Bank unterstützte zudem Veranstaltungen wie die Vienna Art Week 2025 und 2026, doch dieser Strategiewechsel führte zu einem Rückgang bankgeförderter Ausstellungen in der Stadt um 30 Prozent.
Das Gebäude in der Freyung 8, einst als "Zum roten Mändl" bekannt – benannt nach einem historischen Wandgemälde –, nimmt einen besonderen Platz im Wiener Volksglauben ein. Der Legende nach geht hier der Spruch "Male den Teufel nicht an die Wand" zurück – eine Mahnung, kein Unglück heraufzubeschwören. Brugger, die sich nun aus ihrer Position zurückzieht, plant ein neues Projekt, um europäische Kunst in außereuropäische Länder zu bringen. Ein dauerhafter Ersatz für das Kunstforum gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Die Schließung des Kunstforums hinterlässt in Wien eine Lücke: Die Stadt verliert ihren einzigen weit beachteten Ausstellungssaal. Zwar verlagert die Bank ihre Förderung in andere kulturelle Bereiche, doch der Verlust der Galerie schafft eine Leerstelle im traditionellen Ausstellungswesen. Die Zukunft der Freyung 8 bleibt vorerst offen – das Interesse an dem Standort ist jedoch ungebrochen.






