DIW-Chef Fratzscher korrigiert sich: Bis zu 700.000 deutsche Firmen könnten Zombie-Unternehmen sein
Hannah RichterDIW-Chef Fratzscher korrigiert sich: Bis zu 700.000 deutsche Firmen könnten Zombie-Unternehmen sein
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), hat eine Debatte über die Existenz von "Zombie-Unternehmen" in Deutschland ausgelöst. Anfangs hatte er deren Vorhandensein noch geleugnet, später jedoch angedeutet, dass unter bestimmten Bedingungen bis zu 700.000 Firmen – etwa ein Viertel aller Unternehmen – als solche eingestuft werden könnten. Seine wechselnde Haltung lenkt den Blick darauf, wie diese kämpfenden Betriebe definiert und gefördert werden.
Fratzscher hatte zunächst behauptet, in Deutschland gebe es überhaupt keine Zombie-Unternehmen. Er argumentierte, der Begriff werde oft missverstanden, und selbst hochverschuldete Firmen könnten sich mit staatlicher Unterstützung erholen. Als Beispiel nannte er Amazon, das jahrelang Verluste machte, bevor es zum globalen Erfolg wurde.
Nur wenige Tage später revidierte er seine Position in den sozialen Medien. Nun schätzte er, dass über 700.000 Unternehmen – rund 25 % aller deutschen Firmen – als Zombies gelten könnten. Diese Betriebe können ihre Zinslast nicht aus den Gewinnen decken und sind auf staatliche Hilfen oder ausgesetzte Insolvenzregeln angewiesen, um über die Runden zu kommen.
Der Ökonom warnte zudem, viele dieser Unternehmen könnten zusammenbrechen, falls die staatliche Unterstützung entfiele. Trotz dieses Risikos blieb er optimistisch und betonte, dass anhaltende Rettungspakete langfristig zu einem positiven Ergebnis führen könnten. Seine Ansichten decken sich mit denen, die in der deutschen Wirtschaftspolitik für eine schuldenfinanzierte Konjunkturförderung plädieren.
Kritiker hingegen argumentieren, dass das Scheitern von Zombie-Unternehmen Ressourcen für neue Betriebe und Arbeitsplätze freisetzen könnte. Aktuelle Daten dazu, welche Branchen oder Regionen in Deutschland am stärksten betroffen sind, liegen jedoch nicht vor. Die einzige verfügbare Zahl deutet darauf hin, dass derzeit 6 % der börsennotierten Unternehmen als Zombies gelten.
Fratzschers widersprüchliche Aussagen unterstreichen die Unsicherheit rund um das Thema Zombie-Firmen in Deutschland. Während er deren Existenz zunächst bestritt, räumte er später ihr mögliches Ausmaß und ihre Abhängigkeit von staatlichen Hilfen ein. Die Diskussion dreht sich nun darum, ob anhaltende Unterstützung die langfristige wirtschaftliche Erholung fördert – oder ihr im Weg steht.






