Entwicklungshilfe in der Krise: NGOs warnen vor Kürzungen und mangelnder Strategie
Emil LangeEntwicklungshilfe in der Krise: NGOs warnen vor Kürzungen und mangelnder Strategie
Welthungerhilfe und Terre des Hommes legen Jahresbewertung der deutschen Entwicklungspolitik vor
In ihrem gemeinsamen Bericht verweisen Welthungerhilfe und Terre des Hommes auf wachsende Herausforderungen in der Entwicklungspolitik – darunter Krisen, Kriege und die Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig warnen die Organisationen vor zunehmenden Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht sowie einer Politisierung der Entwicklungshilfe.
Am Mittwoch stellten Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Joshua Hofert, Generalsekretär von Terre des Hommes, die Ergebnisse vor. Sie wiesen darauf hin, dass die Bundesregierung den Etat für Entwicklungszusammenarbeit seit 2022 um ein Drittel gekürzt habe – weitere Kürzungen seien bis 2027 zu erwarten.
Zwar begrüßten die NGOs die Neuausrichtung der Entwicklungspolitik, kritisierten jedoch das Fehlen einer kohärenten Strategie. Reformen müssten verbindlich Partnerländer, lokale Zivilgesellschaft und junge Menschen einbeziehen, forderten sie. Mogge betonte, es gehe weniger um die Menge als um die Qualität der Hilfe: „Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Eigenständigkeit für zivilgesellschaftliche Organisationen.“
Hofert unterstrich, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur gelingen könne, wenn sie sich an den Bedürfnissen vor Ort orientiere. Die Reform dürfe kein „von Berlin aus gesteuertes Verwaltungsprojekt“ werden, warnte er. Beide Organisationen forderten zudem, den Haushalt für humanitäre Hilfe im kommenden Jahr von einer auf 2,8 Milliarden Euro aufzustocken.
Mogge hob die Dringlichkeit humanitärer Unterstützung hervor und plädierte dafür, nicht nur Krisenreaktion, sondern auch Prävention zu finanzieren. Der Bericht macht zudem deutlich, dass die Bundesregierung Spannungen zwischen eigenen Interessen und denen der Partnerländer angehen muss.
Die Organisationen fordern inklusivere und strategischere Reformen in der Entwicklungspolitik, mehr Mittel für humanitäre Hilfe und präventive Maßnahmen. Nur so ließen sich die wachsenden globalen Herausforderungen wirksam bewältigen, heißt es in dem Bericht.
