EU verschärft Regeln: Warum Unternehmen jetzt ihre Öko-Werbung beweisen müssen
Mila VoigtEU verschärft Regeln: Warum Unternehmen jetzt ihre Öko-Werbung beweisen müssen
Die EU hat die Vorschriften für Umweltaussagen verschärft, um irreführende Werbung zu verhindern. Seit 2024 müssen Unternehmen ihre ökologischen Behauptungen mit belastbaren Beweisen untermauern – andernfalls drohen hohe Strafen. Die Mitgliedstaaten haben bereits mit der Umsetzung begonnen, wobei Italien, Frankreich und Deutschland nationale Gesetze erlassen haben, um die neuen Regeln einzuhalten.
Den Anstoß für die strengere Kontrolle gab die Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für die grüne Wende, die 2024 verabschiedet wurde. Dieses Gesetz verbietet vage Angaben wie "klimaneutral" oder "klimapositiv", wenn sie allein auf CO₂-Kompensation basieren. Zudem müssen Händler Umweltaussagen auf Anfrage der nationalen Behörden im Rahmen der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (UGP-Richtlinie) nachweisen. Die Mitgliedstaaten hatten bis zum 27. März 2026 Zeit, die Vorschriften in nationales Recht umzusetzen; die Durchsetzung begann am 27. September.
Nationalen Aufsichtsbehörden sind bereits aktiv geworden. In Italien verhängte die Wettbewerbsbehörde Geldstrafen gegen SHEIN und Acqua Minerale San Benedetto wegen unbelegter Öko-Werbung. Deutschlands Bundesgerichtshof entschied gegen FlixBus und verpflichtete das Unternehmen, seine "klimafreundliche" Werbung präziser zu gestalten. Gleichzeitig wies das Amtsgericht Amsterdam15 von 19 Umweltaussagen der KLM zurück, darunter die Verwendung von "duurzaam" (nachhaltig) ohne ausreichende Begründung.
Zudem hatte die EU im März 2023 den Entwurf der Green-Claims-Richtlinie vorgelegt, die eine Vorabprüfung aller Umweltaussagen vor Markteinführung vorsah. Dieses Vorhaben wurde jedoch im Juni 2025 ausgesetzt, sodass die Durchsetzung weiterhin auf bestehenden nationalen Instrumenten beruht. Angesichts unterschiedlicher Standards in der EU wird Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, nun geraten, sich an die strengsten nationalen Vorgaben zu halten, um Sanktionen zu vermeiden.
Die neuen Regeln bedeuten, dass Unternehmen keine pauschalen Umweltversprechen mehr ohne Nachweis machen dürfen. Die nationalen Behörden setzen die Vorschriften aktiv durch, was zu Strafen und Zwangsänderungen in der Werbung führt. Bis die EU weitere Leitlinien veröffentlicht, müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihr grünes Marketing den höchsten Anforderungen in allen Märkten entspricht, in denen sie agieren.






