Europas Energiezukunft hängt von globalen Importen – nicht von Autarkie
Lina SeidelEuropas Energiezukunft hängt von globalen Importen – nicht von Autarkie
Der globale Handel hat sich seit der Pandemie kräftig erholt – das Handelsvolumen liegt im November 2021 bereits acht Prozentpunkte über dem Vorkrisenniveau. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), hat sich nun zur Zukunft des Energiehandels geäußert und warnt, Europa dürfe sich keine unrealistischen Ziele einer vollständigen Autarkie setzen.
Felbermayr betonte, dass eine vollständige energetische Unabhängigkeit weder praktikabel noch wirtschaftlich sinnvoll sei. Stattdessen bleibe der Import von Energieträgern entscheidend, um den globalen Handel und die internationale Arbeitsteilung aufrechtzuerhalten. Besonders hervorhob er wasserstoffbasierte Kohlenstoffverbindungen wie E-Methanol und E-Ammoniak als zentrale Importgüter der Zukunft – vor allem aus Regionen mit hohem Solar- und Windkraftpotenzial.
Bis 2026 könnten etwa 20 bis 30 Länder außerhalb Europas zu wichtigen Lieferanten aufsteigen. Zu den potenziellen Produzenten zählen nordafrikanische Staaten wie Marokko, Algerien und Ägypten sowie Nahost-Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman. Auch Australien und Teile Lateinamerikas – darunter Chile und Brasilien – gelten aufgrund ihrer erneuerbaren Energieressourcen und Infrastrukturpläne als vielversprechende Kandidaten.
Über die Energiefrage hinaus wies Felbermayr auf die langfristigen Folgen der Pandemie für die europäischen Arbeitsmärkte hin. Einschränkungen der Binnenmobilität in Europa, so seine Warnung, könnten die wirtschaftliche Integration des Kontinents dauerhaft schwächen.
Felbermayrs Analyse kommt zu dem Schluss, dass Europas Energiezukunft von strategischen Importen abhängen wird – nicht von Abschottung. Eine Politik der Autarkie würde die Kosten in die Höhe treiben und die Energiewende gefährden. Gleichzeitig könnten die anhaltenden Auswirkungen eingeschränkter Arbeitskräftemobilität die wirtschaftliche Kohäsion in der Region weiter belasten.






