EZB baut Pandemie-Hilfen ab: 3 Billionen Euro fließen bis 2027 zurück
Die Europäische Zentralbank (EZB) baut die in der Covid-19-Pandemie eingeführten Notfallmaßnahmen schrittweise ab. Bis 2027 werden fast 3 Billionen Euro der in das Finanzsystem gepumpten Liquidität wieder abgeflossen sein. Offizielle Stellen beschreiben den Prozess als einen reibungslosen Rückkehr zu normalen Bedingungen – ohne Anzeichen für Marktinstabilitäten.
Während der Pandemie hatte die EZB großzügige langfristige Refinanzierungsgeschäfte für Banken aufgelegt. Zudem startete sie das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP), im Rahmen dessen sie Staats- und Unternehmensanleihen erwarb, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Diese Maßnahmen trieben die Überschussliquidität, die Eurozone-Banken bei der EZB hinterlegten, auf Rekordhöhen.
Ab 2022 begann die EZB, diese unkonventionellen Instrumente schrittweise zurückzufahren. Statt die erworbenen Anleihen aktiv zu verkaufen, lässt die Bank sie planmäßig auslaufen. Die Überschussliquidität ist bereits um fast 50 Prozent gesunken und wird voraussichtlich im nächsten Jahr unter 2 Billionen Euro fallen.
Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums, bezeichnete diesen Wandel als "quantitative Normalisierung statt quantitative Straffung". Die Analysen der Zentralbank deuten darauf hin, dass der Übergang ohne Störungen verläuft. Dennoch müssen Banken ihre Strategien anpassen, wenn die Liquidität weiter abnimmt. Sie könnten vermehrt auf Geldmärkte und klassische Refinanzierungsgeschäfte zurückgreifen, um ihre Barreserven zu verwalten.
Die Inflation im Euroraum hatte ihren Höhepunkt 2021/2022 mit über 8 Prozent erreicht – angetrieben durch Lieferkettenprobleme, starke Nachfrage und fiskalpolitische Impulse. Die EZB stand in der Kritik, die Zinserhöhungen erst verzögert eingeleitet zu haben, als die Teuerung bereits dieses Niveau erreichte. Daraufhin setzte sie den schärfsten Straffungskurs ihrer Geschichte um und hält den Leitzins seit Mitte 2025 bei 2,00 Prozent. Bis Februar 2026 war die Inflation auf 1,9 Prozent gesunken, stieg im März jedoch aufgrund eines Ölpreisschocks nach US-israelischen Angriffen auf den Iran wieder auf 2,5 Prozent an. Die Kerninflation liegt derzeit bei 2,3 Prozent, die Dienstleistungsinflation bei 3,2 Prozent – was die Währungshüter vor der Sitzung im April 2026 unter Druck setzt.
Der schrittweise Abbau der pandemiebedingten Unterstützungsmaßnahmen durch die EZB markiert einen bedeutenden Wandel in der Geldpolitik. Bis 2027 werden Banken mit einem deutlich restriktiveren Liquiditätsumfeld konfrontiert sein und stärker auf traditionelle Finanzierungsquellen angewiesen sein. Gleichzeitig prägen Inflationstrends und geopolitische Schocks weiterhin die Entscheidungen der Zentralbank über die Zinspolitik.






