GDL-Chef Reißen nennt Deutsche Bahn eine "Geldwäschemaschine" – und fordert radikale Reformen
Hannah RichterGDL-Chef Reißen nennt Deutsche Bahn eine "Geldwäschemaschine" – und fordert radikale Reformen
Mario Reißen, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), hat die Deutsche Bahn (DB) scharf für ihre undurchsichtigen und übermäßig komplexen Finanzstrukturen kritisiert. Er bezeichnete das Unternehmen als "Geldwäschemaschine" und verwies dabei auf überhöhte interne Abrechnungen sowie ein aufgeblähtes Netz aus Tochtergesellschaften.
Obwohl Reißen einige der jüngsten Reformen von DB-Vorstandschefin Evelyn Palla unterstützte, forderte er schnellere Umsetzungen und weniger ungehaltende Versprechungen. Besonders im Fokus stand die Finanzpraxis der Bahn: Reißen warf dem Konzern vor, Kosten künstlich durch interne Verrechnungen in die Höhe zu treiben. Zudem kritisierte er die unüberschaubare Zahl an DB-Tochterfirmen – einst über 1.000, heute noch rund 600 –, deren Aufgaben und Entstehung oft intransparent seien. Öffentliche Unterlagen geben keine Auskunft darüber, wie viele dieser Gesellschaften zwischen 2021 und 2026 gegründet oder übernommen wurden und welche Dienstleistungen sie heute erbringen.
Seine Kritik richtete sich auch gegen frühere Führungsentscheidungen, insbesondere die Ernennung von Karin Dohm zur Finanzchefin. Reißen hielt sie für diese Position für unqualifiziert und betonte, die Steuerzahler müssten nun die Folgen solcher Fehlbesetzungen tragen. Gleichzeitig lobte er Pallas jüngste Entscheidung, Dohm – ebenso wie Sigrid Nikutta, Chefin von DB Cargo – zu entlassen, und wertete dies als Schritt hin zu einer konsequenteren Führungskultur.
Zustimmung signalisierte Reißen auch für Pallas Plan, den oberen Managementbereich um die Hälfte zu verkleinern. Ein schlankeres Führungsteam, so seine Argumentation, werde die Abläufe beschleunigen und die Produktivität im gesamten Konzern steigern.
Reißens Äußerungen erhöhen den Druck auf die Bahn, ihre Finanzsysteme zu vereinfachen und die Reformen zu beschleunigen. Seine Unterstützung für Pallas Personalentscheidungen deutet darauf hin, dass er von der Konzernspitze mehr Entschlossenheit und klare Taten erwartet. Die Kritik des Gewerkschaftschefs spiegelt dabei breitere Bedenken hinsichtlich Effizienz und Verantwortung beim staatlichen Bahnbetreiber wider.






