Geheime Treffen: Wie Südkoreaner nordkoreanische Restaurants trotz Verbots besuchen
Mila VoigtGeheime Treffen: Wie Südkoreaner nordkoreanische Restaurants trotz Verbots besuchen
Trotz strenger rechtlicher Beschränkungen finden Südkoreaner Wege, nordkoreanisch geführte Restaurants im Ausland zu besuchen. Manche ändern die Spracheinstellungen ihres Smartphones oder kommunizieren auf Englisch oder Chinesisch, um unerkannt zu bleiben. Solche Besuche führen oft zu Online-Diskussionen über mögliche juristische Konsequenzen und die Überwachung durch Geheimdienste.
Das Gesetz über den innerkoreanischen Austausch und die Zusammenarbeit verpflichtet Südkoreaner, jeden Kontakt mit Nordkoreanern zu melden – selbst wenn dieser im Ausland stattfindet. Als "Kontakt" gelten dem Gesetz zufolge der Austausch von Informationen, Nachrichten oder Ideen, unabhängig vom Ort oder der Art der Kommunikation. Wer solche Interaktionen nicht meldet oder falsche Angaben macht, riskiert Bußgelder von bis zu 3 Millionen Won (etwa 1.800 Pfund).
Ein aktueller Fall betrifft Lee Jong-suk, einen Südkoreaner, der sich mit einem deutschen Ausweis auswies und Englisch sprach, um Zugang zum nordkoreanischen Restaurant Morangwan in Shenyang, China, zu erhalten. Die Kellnerin, die ihn für einen Deutschen hielt, kommunizierte mit ihm auf Chinesisch – unterstützt von einem Mobiltelefon-Übersetzungsprogramm. Das südkoreanische Vereinigungsministerium präzisierte später, dass einfache Handlungen wie Bestellen und Bezahlen nicht gemeldet werden müssen.
Die rund 70 Restaurants dieser Art, die in fünf Ländern betrieben werden, stehen im Verdacht, nordkoreanische Arbeitskräfte zu beschäftigen und die Einnahmen an das Regime in Pjöngjang zu überweisen. Zudem könnten sie gegen die UN-Resolution 2397 verstoßen, die die Rückführung nordkoreanischer Staatsbürger aus dem Ausland vorschreibt.
Trotz der Risiken teilen viele Südkoreaner ihre Erlebnisse in diesen Restaurants auf YouTube und in sozialen Medien. Solche Beiträge lösen häufig Debatten aus, ob Besucher mit Befragungen durch Geheimdienste rechnen müssen.
Das Vereinigungsministerium bestätigte, dass nicht jeder Kontakt gemeldet werden muss – eine Entwarnung für gelegentliche Gäste. Dennoch bleiben die Meldepflichten für inhaltliche Gespräche bestehen. Die Restaurants stehen weiterhin unter Beobachtung, während der Verdacht besteht, dass sie die Finanzierung der nordkoreanischen Führung unterstützen.






