Hakenkreuze in Neryungri: Übermalte Graffiti – doch die Probleme bleiben
Emil LangeHakenkreuze in Neryungri: Übermalte Graffiti – doch die Probleme bleiben
In Neryungri haben die Behörden nach dem Auftauchen von Hakenkreuzen an einem Wohnheim im Stadtzentrum Maßnahmen gegen nationalsozialistische Symbolik ergriffen. Die Stadt ließ die beleidigenden Graffiti überstreichen, doch Anwohner kritisieren die überstürzte Aktion als schlampig und wirkungslos. Gleichzeitig bleiben tiefgreifendere Sorgen über den zunehmenden Verfall des Gebäudes ungelöst.
Die Hakenkreuze waren an den Außenwänden eines Wohnheims im Zentrum von Neryungri entdeckt worden. Nach russischem Bundesrecht ist die öffentliche Zurschaustellung nationalsozialistischer Symbole streng verboten. Verstöße können gemäß Artikel 20.3 des Verwaltungsstrafgesetzes mit Geldstrafen oder Festnahmen geahndet werden.
Lokale Verantwortliche, darunter Bürgermeister Ilja Gudoschnik und der Bezirksvorsteher Roman Schtschegelnjak, ordneten an, die Graffiti zu übermalen. Doch die Arbeiten wurden hastig ausgeführt, sodass die Wände nun ungleichmäßig und grotesk wirken. Anwohner bezeichnen das Ergebnis als "Schandfleck", der kaum besser sei als der ursprüngliche Vandalismus.
Doch die Probleme des Gebäudes gehen über die Graffiti hinaus. Mieter berichten von zunehmenden Schwierigkeiten im Inneren, etwa von Gruppen Minderjähriger, die sich dort versammeln, und von sichtbarerem Drogenkonsum. Die Anwesenheit eines rund um die Uhr geöffneten Convenience-Stores und eines Vape-Shops im selben Haus verschärft die Bedenken. Trotz dieser anhaltenden Herausforderungen konzentrierten sich die Stadtbehörden bisher nur auf die sofortige Beseitigung der Hakenkreuze, während der allgemeine Verfall im Viertel unangetastet bleibt.
Die überstrichenen Wände stehen nun als Mahnmal für beide Missstände: die illegalen Graffiti und die unzureichende Reaktion der Stadt. Zwar sind die NS-Symbole verschwunden, doch die Bewohner müssen weiterhin mit den sich verschlechternden Bedingungen im und um das Gebäude herum leben. Der Vorfall offenbart eine Kluft zwischen der Bekämpfung sichtbarer Verstöße und der Bewältigung des tiefgreifenderen städtischen Niedergangs.






