Indiens Börsen starten stark – doch Westasien-Krise belastet die Stimmung
Lina SeidelIndiens Börsen starten stark – doch Westasien-Krise belastet die Stimmung
Indische Aktienmärkte legen zum Wochenstart kräftig zu – doch geopolitische Spannungen dämpfen die Stimmung
Die indischen Börsen eröffneten am Dienstag mit deutlichen Gewinnen und erholten sich damit spürbar von den wochenlangen schweren Verlusten. Der Nifty 50 kletterte um 2,54 Prozent, während der Sensex 2,52 Prozent zulegte – beide Indizes profitierten von der positiven globalen Marktstimmung. Dennoch bleiben Anleger angesichts der anhaltenden Spannungen in Westasien und der fortgesetzten Volatilität vorsichtig.
Die Kursgewinne setzten sich trotz anhaltender Kapitalabflüsse ausländischer Investoren und einer monatelangen Verkaufswelle im März durch, als die Leitindizes um über zehn Prozent einbrachen. Analysten raten nun zu Zurückhaltung und empfehlen eine selektive Anlage-strategie angesichts der geopolitischen Unsicherheiten.
Starker Handelsstart mit breiter Branchenrallye Die Märkte begannen mit schwungvollem Momentum: Der Nifty startete bei 22.899 Punkten (plus 567 Punkte), der Sensex bei 73.762,43 Punkten (plus 1.814 Punkte). Sämtliche Sektorindizes notierten im Plus, angeführt von Banken-, Auto- und Technologie-werten. Besonders die Autowerte standen im Fokus, da die Unternehmen ihre neuesten Absatzzahlen vorlegen wollten.
Die Erholung folgte auf einen steilen Einbruch im März, als ausländische institutionelle Anleger (FIIs) an einem einzigen Tag Aktien im Wert von 11.163 Crores Rupien veräußerten. Die Verkaufswelle hielt den gesamten Monat an und verstärkte den Marktdruck. Unter-dessen stiegen die Ölpreise weiter: Die Brent-Rohöl-Futures legten um 1,81 Prozent auf 105,86 US-Dollar pro Barrel zu, die WTI-Futures kletterten um 1,90 Prozent auf 103,31 Dollar.
Eskalation in Westasien belastet die globalen Märkte Die geopolitischen Spannungen haben sich seit Ende März weiter verschärft – der Konflikt in Westasien dauert nun bereits 33 Tage. Die USA und Israel führten mehr als 800 Luftangriffe auf iranische Ziele durch, während Teheran mit seiner bis-her heftigsten Gegenoffensive reagierte: Raketenangriffe auf Israel und US-Einrichtungen sowie die Blockade der Straße von Hormus. Dadurch wurden 540 Öltanker mit 300 Millionen Barrel Rohöl festgesetzt, was die globalen Lieferketten schwer beeinträchtigte.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian forderte in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident António Costa finanzielle Garantien und Entschädigungszahlungen als Bedingung für ein Ende des Krieges. Die G7 beriet in einer Notfall-Videokonferenz über die Krise, doch neue diplomatische Initiativen der USA blieben aus. Im Inland nahm Iran 81 Personen fest, denen vorgeworfen wird, Informationen weitergegeben zu haben, und drohte mit Schüssen auf Demonstranten. Umfragen zeigen mittlerweile, dass 60 Prozent der US-Bevölkerung die anhaltenden Angriffe ablehnen.
Als Reaktion deutete US-Präsident Donald Trump an, die amerikanischen Militäroperationen gegen den Iran könnten innerhalb von drei Wochen eingestellt werden. Teheran warnte jedoch, große US-Konzerne könnten Vergeltungsmaßnahmen treffen, falls die gezielten Tötungen iranischer Funktionäre fortgesetzt würden.
Vorsicht bleibt geboten – Ölpreise und Unternehmenszahlen im Blick Die aktuelle Marktrally spiegelt zwar eine kurzfristige Optimismuswelle wider, doch die Risiken bleiben hoch. Geopolitische Instabilität und anhaltende Kapitalabflüsse belasten die Aussichten. In den kommenden Tagen dürften vor allem die Ölpreis-entwicklung und die Quartalsberichte der Unternehmen die Handelstrends prägen. Experten raten Anlegern, angesichts der anhaltenden Schwankungen weiterhin selektiv und umsichtig vorzugehen.






