02 April 2026, 12:43

Joey Skaggs' unsichtbare Parade entlarvt die Macht der Medienlügen seit 30 Jahren

Comic-Strip-Plakat mit der Bezeichnung "April Fools", das einen Cartoon-Mann und eine Cartoon-Frau in einem Gespräch vor einem hellblauen Himmel mit weissen Wolken zeigt, wobei einer mit den Händen gestikuliert.

Joey Skaggs' unsichtbare Parade entlarvt die Macht der Medienlügen seit 30 Jahren

Seit über drei Jahrzehnten narrt Joey Skaggs die New Yorker Medien mit einer jährlichen Aprilscherz-Parade, die es in Wahrheit gar nicht gibt. Jedes Jahr verschickt er aufwendig gestaltete Pressemitteilungen, in denen er ein großes Spektakel entlang der Fifth Avenue ankündigt – mit Marschkapellen, politischer Satire und Prominenten-Doubles. Doch trotz der Berichterstattung und Vorfreude entpuppt sich die Parade meist als geschickte Täuschung, die zeigen soll, wie leichtgläubig Menschen sind, wenn es um vermeintliche Fakten geht.

Einer der berühmtesten Medien-Aprilscherze der Geschichte gelang 1985 dem Sports Illustrated: Die Zeitschrift täuschte ihre Leser mit einer erfundenen Geschichte über ein Baseball-Wunderkind. Die Erzählung von Hayden "Sidd" Finch, einem mysteriösen Werfer, der angeblich 270 km/h schnell warf, ohne jemals organisierten Baseball gespielt zu haben, begeisterte die Fans – bis das Magazin gestand, dass es sich um einen Scherz des Reporters George Plimpton handelte.

Skaggs begann seine Karriere als ernsthafter Künstler, doch bald desillusionierte ihn die Heuchelei der Kunstwelt. In den 1970er-Jahren wandte er sich stattdessen dem Streich als künstlerischem Ausdrucksmittel zu. Seine frühen Aktionen umfassten 1976 ein fingiertes Hundebordell, in den 1980ern eine satirische Prominenten-Samenbank und 1988 eine erfundene Krebs heilende Pflanze namens "Phytobiosis". Diese Falschmeldungen wurden oft von großen Medien unkritisch übernommen – und zeigten, wie schnell sich unbelegte Geschichten verbreiten.

1986 verschickte Skaggs seine erste Aprilscherz-Paraden-Pressemitteilung und lud Journalisten zu einem angeblichen Großereignis auf der Fifth Avenue ein. Mit den Jahren entwickelte sich die Idee von einem kleinen satirischen Marsch zu einem imaginären Spektakel, in dessen Ankündigungen alles versprochen wurde – von einem Donald-Trump-Imitatoren-Wettbewerb bis zu einer Y2K-Apokalypse-Party. Zwar erschienen gelegentlich Schulbands oder neugierige Reporter, doch die Parade selbst hielt selten, was sie versprach. Skaggs verbringt Monate damit, jedes Jahr ein neues Motto zu entwickeln, das er aus aktuellen Schlagzeilen destilliert – gerade so plausibel, dass es wahr klingen könnte.

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Die diesjährige Pressemitteilung spielt mit aktuellen Kontroversen und lädt das Publikum ein, die Realität zu hinterfragen: Angeführt werden soll die Parade angeblich vom Präsidenten, gefolgt von einer Vorführung eines "Melania"-Mockumentary und einer Lesung der geschwärzten Namen aus den Jeffrey-Epstein-Akten. Wie immer geht es darum, Autoritäten infrage zu stellen und die Menschen daran zu erinnern, dass sie das Recht haben, darüber zu lachen. Skaggs beschreibt das Projekt als eine Möglichkeit, "die Menschen wieder mit ihrer angeborenen Naivität in Kontakt zu bringen" – eine Tradition, die viele seiner Einmal-Aktionen überdauert hat.

Obwohl seine einzelnen Streiche nach den 2000er-Jahren seltener wurden, hat sich die Parade zu einem festen, wenn auch unsichtbaren kulturellen Phänomen entwickelt. Jährlich lockt sie Tausende Schaulustige an, auch wenn sie letztlich mehr Idee als Wirklichkeit bleibt. Mittlerweile widmet sich Skaggs zwar vermehrt digitalen Medien und Dokumentarfilmen, doch die Parade bleibt sein nachhaltigster Streich – ein Test für die öffentliche Bereitschaft, an Fiktionen zu glauben.

Die Aprilscherz-Parade offenbart Jahr für Jahr, wie leicht Fiktion für Fakt gehalten wird – sei es in Skaggs' Pressemitteilungen oder im Baseball-Schwindel des Sports Illustrated von 1985. Jedes Mal kommen Reporter und Zuschauer in der Erwartung eines Spektakels – und merken erst spät, dass der eigentliche Witz im Wesen des Glaubens selbst liegt. Die Tradition besteht fort und beweist: In einem Zeitalter der Desinformation ist die Grenze zwischen Scherz und Wirklichkeit dünner denn je.

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