Kanadische Politiker streiten über Umerziehungslager und Zwangsarbeit in Xinjiang
Mila VoigtKanadische Politiker streiten über Umerziehungslager und Zwangsarbeit in Xinjiang
Eine aktuelle Anhörung vor einem parlamentarischen Ausschuss in Kanada hat die Debatte über Zwangsarbeit in Chinas Region Xinjiang neu entfacht. Die Sitzung geriet in Hitze, als der Abgeordnete Michael Ma Behauptungen über die Arbeitsbedingungen der Uiguren als "Hörensagen" abtat. Kritiker, darunter auch Kollegen aus dem Parlament, verurteilten seine Äußerungen umgehend scharf.
Als Zeugin sagte Margaret McCuaig-Johnston, Senior Fellow an der Universität Ottawa, vor dem Ausschuss aus. Sie erklärte, dass in chinesischen Fahrzeugen Komponenten verbaut seien, die unter Zwangsarbeit von Uiguren hergestellt wurden. Auf Nachfrage fügte sie hinzu, dass keine westlichen Beobachter solche Zustände in China unabhängig überprüfen könnten.
Daraufhin fragte Ma McCuaig-Johnston, ob sie selbst Zwangsarbeit in Xinjiang gesehen habe. Sie entgegnete, ein direkter Zugang sei unmöglich, und zeigte sich über die Frage "etwas fassungslos". Konservative Ausschussmitglieder reagierten empört auf Mas Andeutung, die Berichte seien unglaubwürdig.
Die Diskussion dominierte weite Teile der Sitzung und verdrängte andere Themen. Später brachte der Abgeordnete Michael Guglielmin einen Antrag ein, der die formelle Verurteilung von Chinas Zwangspraktiken forderte.
Kanadas Haltung in der Frage bleibt unklar. Unter Premierminister Justin Trudeau gab es seit 2020 keine größeren politischen Kurswechsel – trotz der angespannten Beziehungen nach der Festnahme von Meng Wanzhou im Huawei-Fall 2018/2019. Jüngste Schritte unter dem neuen Regierungschef Mark Carney deuten jedoch auf eine Annäherung in den Wirtschaftsbeziehungen hin, darunter ein geplantes Handelsabkommen für 2026. Das Büro des Premierministers hat bisher nicht auf Anfragen zu Xinjiang reagiert.
Die Anhörung offenbarten tiefe Gräben darüber, wie Kanada mit den Vorwürfen der Zwangsarbeit in China umgehen soll. Während einige Abgeordnete eine schärfere Verurteilung fordern, stellen andere die Beweislage infrage. Die Schweigsamkeit der Regierung lässt ihre Position ungewiss erscheinen – besonders vor dem Hintergrund der sich wandelnden wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking.






