Kemfert kritisiert Bundesregierung: "Spritpreise brauchen klare Energiewende statt Flickwerk"
Emil LangeKemfert kritisiert Bundesregierung: "Spritpreise brauchen klare Energiewende statt Flickwerk"
Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, hat die Herangehensweise der Bundesregierung an die steigenden Spritpreise scharf kritisiert. Die jüngsten kurzfristigen Maßnahmen bezeichnete sie als unzureichend und forderte umfassendere Reformen in der Energie- und Verkehrspolitik. Ihre Äußerungen fallen in eine Zeit andauernder Debatten über Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Notwendigkeit nachhaltiger Alternativen.
Kemfert verwies auf die starke Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieträgern, die mit 80 Prozent des Bedarfs immer noch durch Kohle, Öl und Gas gedeckt werde. Diese Abhängigkeit – und nicht der Umstieg auf Erneuerbare – sei die eigentliche Ursache für die explodierenden Energiekosten, betonte sie. Wind- und Solarenergie gehörten mittlerweile zu den günstigsten Energiequellen, schüfen Arbeitsplätze und brächten wirtschaftliche Mehrwerte.
Atomkraft lehnte sie als teure und unpraktikable Lösung ab. Strom aus Kernkraftwerken sei bis zu viermal so kostspielig wie Energie aus erneuerbaren Quellen, erklärte Kemfert. Kleine modulare Reaktoren, oft als moderne Alternative angepriesen, bezeichnete sie als "PowerPoint-Reaktoren" – gezeichnet von Verzögerungen, hohen Kosten und wirtschaftlichen Risiken.
Stattdessen schlug Kemfert eine zweigliedrige Strategie vor: Zum einen forderte sie Sofortmaßnahmen zur Senkung des Verbrauchs, darunter Tempolimits, effizientere Logistikkonzepte und eine Ausweitung der Homeoffice-Regelungen. Zum anderen plädierte sie für einen langfristigen Ausstieg aus fossilen Energien durch einen beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren, mehr Speicherkapazitäten und ein intelligenteres Stromnetz mit Echtzeitpreisen.
Im Verkehrssektor regte sie an, Mobilität bezahlbarer zu gestalten – etwa durch vergünstigte ÖPNV-Tarife, bedarfsgerechte Busverbindungen im ländlichen Raum und soziale Leasingmodelle für Elektrofahrzeuge. Einige ihrer Vorschläge, wie Tempolimits oder ein besserer Nahverkehr, werden in politischen Kreisen bereits seit März 2026 diskutiert, nachdem die Spannungen im Nahen Osten und der Iran-Konflikt den Druck auf die Energiemärkte weiter erhöht hatten.
Kemferts Kritik unterstreicht die Kluft zwischen der aktuellen Politik und den von ihr geforderten Veränderungen. Ihre Empfehlungen zielen darauf ab, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und gleichzeitig die Energiewende zu beschleunigen. Bisher hat die Bundesregierung auf ihre konkreten Bedenken noch nicht öffentlich reagiert.






