KI-Regeln an Schulen: Warum Lehrkräfte mit 56 Vorschriften überfordert sind
Lina SeidelKI-Regeln an Schulen: Warum Lehrkräfte mit 56 Vorschriften überfordert sind
Lehrkräfte in Deutschland kämpfen mit der wachsenden Flut an KI-Vorschriften an Schulen
Während der Einsatz künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich zunimmt, fühlen sich viele Pädagoginnen und Pädagogen von den immer komplexer werdenden und stetig anwachsenden Regelwerken überfordert.
Eine aktuelle Studie zeigt: Die meisten Lehrkräfte empfinden die aktuellen Richtlinien als unklar und schwer im Schulalltag umsetzbar. Mit 56 verschiedenen Regelwerken in ganz Deutschland sind Verwirrung und Unsicherheit weit verbreitet.
Das regulatorische Umfeld für KI an Schulen ist umfangreich und umfasst neun zentrale Bereiche – darunter den Umgang mit Daten, die Nutzung generativer KI, Leistungsbewertungen und Urheberrechtsfragen. Doch nur 11 Prozent der Lehrkräfte haben sich diese Vorschriften intensiv eingearbeitet, während 44 Prozent zugeben, sich überhaupt nicht damit beschäftigt zu haben.
In Deutschland regeln 16 länderspezifische Vorgaben und 56 separate Regelwerke den Einsatz von KI im Bildungswesen. Doch diese Dokumente beschränken sich größtenteils auf rechtliche Anforderungen, statt praktische Handlungsanleitungen zu bieten. Folglich fühlen sich 68 Prozent der Lehrkräfte schlecht oder sehr schlecht über die Bestimmungen informiert. Nur 32 Prozent glauben, die Erwartungen gut zu verstehen.
Verständlichkeit und Praxistauglichkeit bleiben zentrale Problemfelder. Zwar empfinden 45 Prozent der Lehrkräfte die bekannten Regeln als klar, doch 37 Prozent beschreiben sie als eher unverständlich. Noch schwieriger gestaltet sich die Umsetzung: Nur 38 Prozent halten die Richtlinien für leicht anwendbar, während 43 Prozent sie als unpraktikabel bewerten. Die Situation wird zusätzlich durch die Arbeitsbelastung verschärft – 78 Prozent der Lehrkräfte geben an, keine Zeit zu haben, sich eingehend mit den Vorschriften auseinanderzusetzen.
Die meisten Pädagoginnen und Pädagogen kennen lediglich die schulinternen Regelungen und die allgemeinen Landesgesetze. Das übergeordnete rechtliche Rahmenwerk bleibt weitgehend unbekannt, was viele in Unsicherheit über die Einhaltung der Vorgaben zurücklässt. Dennoch fordern 87 Prozent der Lehrkräfte klarere, umsetzbare Regeln, und 83 Prozent räumen ein, keinen vollständigen Überblick über die aktuellen Bestimmungen zu haben.
Die Kluft zwischen der zunehmenden Bedeutung von KI im Schulalltag und der Fähigkeit der Lehrkräfte, sich in den Regelungen zurechtzufinden, wird immer größer. Angesichts von 56 verschiedenen Vorschriftenwerken und begrenzter praktischer Unterstützung stehen Pädagoginnen und Pädagogen vor anhaltenden Herausforderungen, die Richtlinien wirksam anzuwenden. Die Studie unterstreicht den dringenden Bedarf an einfacheren, zugänglicheren Regelungen, damit Lehrkräfte KI selbstbewusst in ihre Arbeit integrieren können.
EU AI Act verstärkt Griff um Schulen: Verpflichtende Schulungen stehen bevor
Neue EU-Vorschriften zwingen Schulen ab Februar 2025 zur Einhaltung von verpflichtenden AI-Schulungen. Die Regeln:
- Verlangen, dass alle Mitarbeiter, die AI-Systeme verwenden, bis spätestens 2. Februar 2025 eine zertifizierte Schulung absolvieren
- Beinhalten Schulen explizit im Anwendungsbereich des EU AI Act und verlangen Schulungen für Schüler und Lehrer
- Setzen ein endgültiges Durchsetzungsdatum für die volle Einhaltung bis 2. August 2026