Kiesewetter fordert Pflichtdienst für mehr Krisenresilienz in Deutschland
Mila VoigtKiesewetter fordert Pflichtdienst für mehr Krisenresilienz in Deutschland
Der CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufgefordert, eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Einführung eines Pflichtdienstes anzustoßen. Sein Vorschlag sieht ein strukturiertes, einjähriges Programm vor, in dem junge Menschen zwischen militärischem Dienst, ziviler Verteidigung, Katastrophenhilfe, Altenpflege oder Tätigkeiten im Bildungsbereich wählen könnten. Kiesewetter kritisiert, dass Deutschlands aktueller Fokus allein auf militärische Erfordernisse die Gesellschaft unvorbereitet auf breitere Krisen zurücklasse.
Laut Kiesewetters Plan müssten alle wehrfähigen Personen ein Jahr Dienst leisten – allerdings mit Flexibilität bei der Art des Einsatzes. Zur Auswahl stünden der Eintritt in die Bundeswehr, die Unterstützung bei der Katastrophenbewältigung, die Mitarbeit in der Altenhilfe oder Aufgaben in den Bereichen Integration und Bildung. Er betonte, dass Alternativen zum Militärdienst junge Menschen davon abhalten könnten, das Land im Falle eines Angriffs zu verlassen.
Der Politiker übt zudem scharfe Kritik an den jüngsten Kürzungen der Regierung bei freiwilligen Programmen, etwa der Einstellung des Austauschprogramms kulturweit, durch das jährlich rund fünf Millionen Euro eingespart wurden. Solche Einschnitte bei bürgerschaftlichem Engagement schwächten die nationale Widerstandsfähigkeit, gerade in einer Zeit, in der Russland gegen Deutschland bereits einen hybriden Krieg mit Desinformation, Sabotage und militärischen Drohungen führe.
Kiesewetter führt die politische Zögerlichkeit, diese Debatte zu führen, auf die Scheu zurück, Herausforderungen als Chance zur Stärkung der Gesellschaft zu begreifen. Er schlägt hochrangige Gespräche – sogenannte Spitzengespräche – unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten vor, an denen Kirchen, Gewerkschaften und politische Führungskräfte teilnehmen sollten. Doch trotz seiner wiederholten Forderungen habe es in den vergangenen fünf Jahren keine solchen Beratungen gegeben.
Angesichts des akuten Bedarfs der Bundeswehr an 20.000 neuen Rekruten und weiteren 60.000 in naher Zukunft warnt Kiesewetter, dass eine einseitige Konzentration auf die Wehrpflicht andere Verwundbarkeiten übersehe. Ein umfassenderes Dienstmodell würde seiner Ansicht nach eine anpassungsfähigere und krisenfeste Bevölkerung schaffen.
Die Bundesregierung hat den Vorschlag bisher nicht aufgegriffen; Schritte in Richtung der von Kiesewetter geforderten Spitzengespräche sind nicht erkennbar. Seine Warnungen verdeutlichen Lücken sowohl bei der Rekrutierung für die Streitkräfte als auch bei der zivilen Vorbereitung auf Krisen – besonders problematisch, da freiwillige Dienstmöglichkeiten zunehmend abgebaut werden. Die von ihm angestoßene Debatte erfordert politischen Willen, um nationale Dienstmodelle in einer Ära hybrider Bedrohungen neu zu denken.
Chancellor Endorses Mandatory Service Amid Calls for Constitutional Reform
The Bundeskanzler has publicly endorsed a mandatory societal service year, aligning with Roderich Kiesewetter's advocacy. This long-held position requires a constitutional amendment, yet remains stalled due to parliamentary gridlock. Kiesewetter welcomed the top-level support, linking it to his repeated calls for high-level talks on national resilience. His latest proposal now includes offering German citizenship to foreigners who complete the service, addressing recruitment gaps in a diverse society.






