Kriegsfolgen treiben Deutsche in Discountmärkte – Aldi und Lidl profitieren massiv
Lina SeidelKriegsfolgen treiben Deutsche in Discountmärkte – Aldi und Lidl profitieren massiv
Deutsche Lebensmittelhändler verzeichnen bereits drei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs Veränderungen im Kaufverhalten der Kunden. Verbraucher steigen auf Discounter um, da die Energiekosten steigen und weitere Preiserhöhungen drohen. Die Auswirkungen auf die großen Supermarktketten sind schnell und deutlich spürbar.
In der 12. Kalenderwoche verzeichneten Aldi Süd und Aldi Nord einen deutlichen Anstieg der Kundenbesuche im Vergleich zur Woche vor Kriegsbeginn. Aldi Nord steigerte seinen Marktanteil um 0,7 Prozentpunkte, während Aldi Süd sogar einen ganzen Punkt hinzugewann. Gleichzeitig verloren traditionelle Supermärkte an Zulauf: Edeka verzeichnete 0,6 Prozentpunkte weniger Besucher, Rewe verlor 0,7 Punkte und Kaufland büßte 0,5 Punkte ein.
Dieser Trend spiegelt eine langfristige Entwicklung wider, die bereits nach dem Ukraine-Krieg zu beobachten war. Bis 2024 hatten Discounter wie Aldi und Lidl ihren Marktanteil auf rund 38 Prozent ausgebaut, während traditionelle Supermärkte auf knapp 29 Prozent schrumpften. Die Umsätze der Discounter erreichten in diesem Jahr 77 Milliarden Euro – ein Anstieg um fast ein Drittel innerhalb von fünf Jahren. Damit wuchsen sie deutlich schneller als der gesamte Lebensmitteleinzelhandel, der im selben Zeitraum um 26,6 Prozent auf 203 Milliarden Euro zulegte.
Aktuelle Daten zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Zwischen 2025 und 2026 stiegen die Umsätze von Aldi Nord um 5,1 Prozent, die von Lidl um 3,6 Prozent – beide gewannen dabei weitere Kunden. Auch der Markenwert kletterte: Aldi verzeichnete ein Plus von 18 Prozent, Lidl sogar von 36 Prozent bis März 2026. Der Analyst Maarten Vander Beken von Accurat bezeichnete die Verschiebung als "außergewöhnlich und beispiellos" – sowohl in Bezug auf Tempo als auch Ausmaß.
Da jeder Prozentpunkt Marktanteil etwa 2 Milliarden Euro wert ist, sind die finanziellen Folgen enorm. Die Discounter ziehen weiter an den etablierten Ketten wie Edeka und Rewe vorbei, die kontinuierlich an Boden verlieren.
Die jüngsten Zahlen bestätigen: Wirtschaftlicher Druck treibt immer mehr Deutsche in die Discountmärkte. Aldi und Lidl haben ihre Position weiter gestärkt, während traditionelle Supermärkte mit sinkenden Kundenzahlen kämpfen. Vorerst gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend abschwächt.






