Krypto-Branche pumpt Rekordsumme von 130 Millionen Dollar in US-Wahlen 2024
Emil LangeKrypto-Branche pumpt Rekordsumme von 130 Millionen Dollar in US-Wahlen 2024
Kryptowährungsnahe politische Ausgaben in Washington auf Rekordhoch – Branche pumpt bis zu 130 Millionen Dollar in die Wahlen 2024
In Washington haben die politischen Ausgaben mit Bezug zu Kryptowährungen stark zugenommen: Branchenverbände steuern Schätzungen zufolge zwischen 120 und 130 Millionen Dollar in die Wahlen 2024 bei. Kürzlich sorgte ein von der Krypto-Industrie unterstützter Super-PAC, die Fellowship PAC, für Aufsehen, nachdem er Pläne eingereicht hatte, 1,75 Millionen Dollar in einen entscheidenden republikanischen Senatswahlkampf in Texas zu investieren – um kurz darauf zu behaupten, überhaupt keine Werbung geschaltet zu haben.
Der Vorfall löste Besorgnis bei führenden Republikanern aus, die eine äußere Einmischung in eine hart umkämpfte Vorwahl fürchteten, in der sich der ehemalige Präsident Donald Trump neutral verhalten hatte.
Die Fellowship PAC, geleitet von Jesse Spiro – dem für Regierungsangelegenheiten zuständigen Chef des Krypto-Unternehmens Tether – hatte bei der Bundeswahlkommission (Federal Election Commission) Unterlagen eingereicht, die auf eine Unterstützung des texanischen Generalstaatsanwalts Ken Paxton in einer Stichwahl gegen Senator John Cornyn hindeuteten. Dieser Schritt alarmierte die republikanische Führung, die darin eine mögliche Störung in einem Rennen sah, in dem Trump keinen der Kandidaten unterstützt hatte. Als Reaktion kritisierte das National Republican Senatorial Committee (NRSC) die Einreichung öffentlich.
Hochrangige Republikaner wandten sich daraufhin an Handelsminister Howard Lutnick, dessen Firma Cantor Fitzgerald die Fellowship PAC mit Startkapital ausgestattet hatte. Lutnick hatte das Unternehmen zuvor geleitet, bevor er in die Trump-Regierung wechselte. Die Gruppe hatte zudem große Spenden von Cantor Fitzgerald und Anchor Labs erhalten und bis Mitte April insgesamt 11 Millionen Dollar von bekannten Geldgebern eingesammelt.
Trotz der ursprünglichen Pläne räumte die Fellowship PAC später ein, dass sie weder Werbung für Paxton geschaltet habe noch jemals vorhatte, dies zu tun. Die Verwirrung entstand, während der PAC ehrgeizige Ziele setzte: Für den Wahlzyklus 2026 will die Gruppe 100 Millionen Dollar mobilisieren. Gleichzeitig drängen über 100 Krypto-Unternehmen und Lobbygruppen den Kongress, Gesetze zur Regulierung des Digitalasset-Marktes voranzutreiben.
Die wachsende politische Einflussnahme der Krypto-Branche zeigte sich auch in den Rekordausgaben für das Jahr 2024, wobei Spenden in Wahlkämpfe im ganzen Land flossen. Die Mischung aus hohen finanziellen Zusagen, letzten Endes dementierten Werbeplänen und Lobbydruck unterstrich die zunehmend prägende Rolle des Sektors bei der Gestaltung des Wahlgeschehens.
Der Vorfall um die Fellowship PAC legte zudem Spannungen zwischen kryptofinanzierten politischen Gruppen und der etablierten republikanischen Führung offen. Zwar wurden die umstrittenen Anzeigen letztlich nicht geschaltet, doch die finanziellen Ambitionen des PAC und seine Verbindungen zu großen Geldgebern signalisieren, dass die Branche künftig eine noch größere Rolle in Wahlen spielen will. Angesichts der bereits jetzt rekordhohen Ausgaben für Krypto-Lobbying könnte der Streit um den Senatswahlkampf in Texas ein Vorspiel für größere Machtkämpfe um politischen Einfluss im Jahr 2026 sein.






