13 April 2026, 04:02

NDR klagt gegen Zensur: Reichelt-Fall kommt vor Gericht

Schwarze und weiße Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit Menschen, die stehen und auf dem Boden sitzen, betitelt mit "Der Prozess der britischen Armee in London, England."

NDR klagt gegen Zensur: Reichelt-Fall kommt vor Gericht

Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt droht an Schärfe zu gewinnen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender NDR treibt nun ein vollständiges Gerichtsverfahren voran, um die zensierten Passagen seines Berichts aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen. Der Fall, der mit den Enthüllungen des Spiegel im Jahr 2022 begann, wirft weiterhin zentrale Fragen auf, die bis heute unbeantwortet bleiben.

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2022 hatte der Spiegel erstmals über angebliche Beziehungen Reichelts mit weiblichen Untergebenen bei Bild berichtet. Die Vorwürfe deuteten auf einen möglichen Machtmissbrauch hin, doch bleibt unklar, wie viele Affären es tatsächlich gab und ob Druck ausgeübt wurde. Reichelt bestreitet seit jeher, Frauen zu sexuellen Beziehungen genötigt zu haben.

Das ARD-Magazin Reschke Fernsehen griff den Fall 2023 in einer Sendung auf, doch Reichelt erwirkte eine einstweilige Verfügung. In der Folge wurden erhebliche Teile des Beitrags geschwärzt. Die Sendung ist mittlerweile aus der ARD-Mediathek entfernt worden, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.

Nun bringt der NDR die Angelegenheit vor ein vollständiges Gericht, um die zensierten Abschnitte wieder zugänglich zu machen. Zeuginnen, darunter eine Frau, die angibt, von Reichelt zu einer Beziehung gedrängt worden zu sein, sollen aussagen. Öffentliche Verhandlungen könnten für den Bild-Verlag Axel Springer unangenehm werden, da einige Frauen berichten, nach ihren Aussagen berufliche Nachteile erlitten zu haben.

Das deutsche Justizsystem ist bekannt für seine Langsamkeit, insbesondere in Presserechtsfragen. Da das Verfahren voraussichtlich erst im Frühjahr 2026 vorankommt, könnte eine endgültige Klärung noch in weiter Ferne liegen.

Die anstehenden Anhörungen werden sich mit Vorwürfen befassen, die seit 2022 im Raum stehen. Sollte der NDR erfolgreich sein, könnte der wiederhergestellte Bericht neue Details ans Licht bringen. Bis dahin bleibt der Fall ein Symbol für ungelöste Probleme im Umgang mit Fehlverhalten am Arbeitsplatz und der Verantwortung der Medien.

Quelle