Neue EU-Verpackungsregeln: Fortschritt oder halbe Lösungen für die Kreislaufwirtschaft?
Lina SeidelNeue EU-Verpackungsregeln: Fortschritt oder halbe Lösungen für die Kreislaufwirtschaft?
Die neuen Leitlinien der Europäischen Kommission zur Verpackungsverordnung (PPWR) haben gemischte Reaktionen bei Branchenführern und Umweltschutzorganisationen ausgelöst. Während einige die Klarheit bei den Regeln zur Abfallreduzierung loben, verweisen andere auf Lücken bei den Prüfmethoden und Compliance-Verfahren.
Das Bündnis Rethink Plastic Alliance begrüßt das Dokument als wichtigen Fortschritt, warnt jedoch davor, strengere lokale Abfallpolitik zugunsten der Einheitlichkeit des Binnenmarkts einzuschränken. Die Leitlinien präzisieren zentrale Aspekte der Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), darunter eine Frist bis 2029, bis zu der die Mitgliedstaaten Pfandsysteme für Einweg-Plastikflaschen und Metalldosen einführen müssen. Das Bündnis unterstützt diese Vorgabe, lehnt aber jeden Versuch ab, nationale oder lokale Behörden daran zu hindern, ambitioniertere Abfallreduktionsziele festzulegen.
Neirin Jones, Gesellschafter bei GreenForest Solutions, bezeichnete das Dokument als grundlegende Neugestaltung der Vermarktungsregeln für Produkte in Europa. Gleichzeitig lobte das Bündnis die Kommission dafür, dass sie die Bestimmungen zur Aufbrauchfrist für bestehende PFAS-Bestände beibehält und einen schrittweisen Ansatz zur Prüfung von PFAS-Gehalten skizziert.
Allerdings wies Brunswick Marine auf gravierende Auslassungen hin, etwa das Fehlen einer klaren Methodik zum Nachweis von PFAS in Lebensmittelverpackungen sowie Unklarheiten bei den Konformitätsbewertungen. Die World Packaging Organization bezeichnete die Leitlinien als "wertvolles Material" und Pflichtlektüre für Fachleute der Branche.
UPM Specialty Materials nannte sie einen "lange erwarteten Meilenstein", während Metsä Board die 5-Prozent-Plastikausnahme für faserbasierte Verpackungen als "großartige Nachricht" begrüßte. Dennoch äußerte das Bündnis Bedenken, dass diese Ausnahme das Verbot von Einweg-Kunststoffverpackungen für den Innenbereich von Gaststätten unterlaufen könnte.
Die Leitlinien geben dringend benötigte Orientierung zur Abfallvermeidung, lassen aber Fragen zu Prüfverfahren und Compliance offen. Unternehmen und Umweltverbände werden nun analysieren, wie sich die Regeln auf Verpackungsdesign, Recyclingsysteme und den Wettbewerb im EU-Binnenmarkt auswirken. Die Mitgliedstaaten müssen bis 2029 Pfandsysteme einführen – einige könnten jedoch strengere lokale Maßnahmen vorantreiben.






