27 April 2026, 12:02

Neuer Roman bringt vergessenen Völkermord an Armeniern in deutsche Schulen

Detailierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier mit begleitendem Text, die geografische Merkmale wie Flüsse, Berge und Städte zeigt.

Neuer Roman bringt vergessenen Völkermord an Armeniern in deutsche Schulen

Ein neuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern in deutsche Klassenzimmer. Laura Cwiertnias "Auf der Straße tragen wir andere Namen" erschien im März bei Reclam Verlag als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch verbindet historische Gräueltaten mit dem Leben von Frauen über Generationen hinweg – viele von ihnen leben heute in Deutschland.

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord zum 111. Mal, bei dem im Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet wurden. Doch trotz seiner historischen Bedeutung bleibt das Thema in deutschen Schulen weitgehend ausgeklammert.

Die Bundestagsresolution von 2016 forderte, den Völkermord an den Armeniern fest im Lehrplan zu verankern. Doch überfüllte Stundenpläne, enge Zeitvorgaben und ein Mangel an Unterrichtsmaterialien verdrängen das Thema oft. Lehrer berichten zudem von begrenzten Fachkenntnissen, was zu Wissenslücken bei den Schülern über dieses gewalttätige Kapitel führt.

Deutschlands eigene Rolle im Völkermord fügt eine weitere Ebene hinzu. Armenisches Vermögen – Gold und Geld – wurde in deutschen Banken deponiert, während Zwangsarbeiter auf von Deutschen gebauten Eisenbahnstrecken schufteten. Diese historischen Verbindungen machen die Thematik für heutige Klassenzimmer besonders relevant.

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Cwiertnias Roman behandelt nicht nur Völkermord und Überleben, sondern auch Migration, Konflikte und die Erfahrungen türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers steuerte ein Nachwort bei, um Schülern den Zugang zum Text zu erleichtern. Durch die Verbindung von Geschichte mit persönlichen Schicksalen bietet das Buch eine Möglichkeit, schwierige Themen emotional und reflektierend zu erschließen.

Für viele Schüler könnte dies die erste Begegnung mit dem Völkermord an den Armeniern sein. Der Fokus des Romans auf das Leben von Frauen über Jahrzehnte hinweg spiegelt die Erfahrungen von Millionen wider, die heute in Deutschland leben – und verbindet so Vergangenheit und Gegenwart im Unterricht.

Die Aufnahme von Cwiertnias Roman eröffnet Schulen einen neuen Weg, sich mit dem Völkermord an den Armeniern auseinanderzusetzen. Mit fachkundiger Begleitung und einem narrativen Ansatz können Schüler eine Geschichte erkunden, die lange vernachlässigt wurde. Ob dies zu umfassenderen Lehrplanänderungen führt, bleibt abzuwarten – doch das Buch selbst hat bereits Gespräche angestoßen.

Quelle