Parlamentsuntersuchung zu NGO-Fördergeldern scheitert an veralteten Papierakten
Mila VoigtParlamentsuntersuchung zu NGO-Fördergeldern scheitert an veralteten Papierakten
Parlamentsuntersuchung zu Regierungsgeldern für NGOs scheitert an veralteter Aktenführung
Eine parlamentarische Untersuchung zu staatlichen Zuwendungen für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ist auf ein großes Hindernis gestoßen: veraltete Aktenführung. Beamte gaben zu, keine vollständigen Angaben machen zu können, da wichtige Informationen weiterhin nur in Papierakten vorlägen. Die Anfrage zielte darauf ab, Klarheit über die finanzielle Unterstützung zu schaffen, die verschiedene Ministerien zwischen 2020 und 2026 an Organisationen vergeben haben.
Die Untersuchung sollte aufdecken, wie öffentliche Gelder über sechs Jahre hinweg an NGOs verteilt wurden. Stattdessen bestätigte die Regierung, dass es keine zentrale Datenbank gebe – nur verstreute Aufzeichnungen. Minister argumentierten, die Zusammenstellung der Daten würde einen "unverhältnismäßigen" Arbeitsaufwand erfordern.
Zu den bekannten Empfängern zählt die Amadeu Antonio Stiftung, die Mittel für Projekte gegen "Online-Hetze" und "Verschwörungstheorien" erhielt. Das Institut für Widerstand im Postfordismus und Haki sicherten sich ebenfalls Fördergelder für Forschungen zu "Erbe und Täterkontinuität" sowie "Migration und Queerness". Die sozialistische Jugendorganisation Die Falken war eine weitere Gruppe, die in der 39-seitigen Förderübersicht des Innenministeriums aufgeführt wurde.
Aktuelle politische Kurswechsel haben die Vergabepraxis bereits verändert. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) strich die Unterstützung für einige linke NGOs. Gleichzeitig führte die Neuausrichtung der Fördermittel durch Familienministerin Karin Prien (CDU) zur Streichung von rund 200 Projekten.
Die Abhängigkeit von Papierakten hat Lücken in der Transparenz hinterlassen. Ohne ein zentrales System bleibt es schwierig nachzuvollziehen, wie Steuergelder an zivilgesellschaftliche Gruppen fließen. Das Fehlen digitaler Aufzeichnungen bedeutet, dass das volle Ausmaß der NGO-Förderung im Dunkeln bleibt. Zwar verteidigen die Minister ihre Entscheidungen, doch das Fehlen einer vollständigen Übersicht wirft Fragen zur Rechenschaftspflicht auf. Bisher liegen nur bruchstückhafte Einblicke in die Verteilung öffentlicher Mittel vor.






