Portugal verschärft Einbürgerungsregeln trotz heftiger Kritik aus der Opposition
Mila VoigtPortugal verschärft Einbürgerungsregeln trotz heftiger Kritik aus der Opposition
Das portugiesische Parlament hat nach monatelangen juristischen und politischen Debatten ein umstrittenes neues Staatsbürgerschaftsgesetz verabschiedet. Der Gesetzentwurf wurde mit einer deutlichen Mehrheit angenommen, doch die Opposition kritisierte die verschärften Aufenthaltsregeln und die erweiterten Strafregisterprüfungen. Nun liegt er dem Präsidenten zur endgültigen Unterzeichnung vor.
Das ursprüngliche Dekret war im Oktober 2023 zunächst an das Parlament zurückverwiesen worden, nachdem das Verfassungsgericht vier Bestimmungen für verfassungswidrig erklärt hatte. Die Abgeordneten überarbeiteten den Text, um ihn rechtlich einwandfrei zu gestalten, behielten dabei jedoch die zentralen Änderungen bei.
Nach dem neuen Gesetz müssen Ausländer künftig zehn Jahre in Portugal gelebt haben, bevor sie die Staatsbürgerschaft beantragen können. Ausnahmen gelten für Staatsangehörige portugiesischsprachiger Länder sowie für Bürger von EU-Mitgliedstaaten. Zudem werden Bewerber ausgeschlossen, die in den letzten drei Jahren wegen schwerer Straftaten – darunter die Schändung nationaler Symbole – verurteilt wurden.
Bei der Artikel-für-Artikel-Abstimmung wurden von über vierzig eingereichten Änderungsanträgen nur acht angenommen. Sämtliche Vorschläge linker Parteien wurden abgelehnt. Der endgültige Text behält die Möglichkeit bei, die Staatsbürgerschaft bei betrügerischem Erwerb zu entziehen, schützt jedoch "Drittparteien, die in gutem Glauben handeln".
Rechtsmittelverfahren werden künftig nicht mehr nur von der öffentlichen Verwaltung, sondern auch von der Staatsanwaltschaft geprüft. Unterstützung erhielt der Entwurf von PSD, Chega, IL und CDS-PP, während PS, Livre, PCP, BE und PAN dagegen stimmten. Der einzige Abgeordnete der JPP enthielt sich.
Die Abstimmung endete mit 152 Ja-Stimmen und 64 Nein-Stimmen – mehr als die erforderliche absolute Mehrheit von 116. Der verabschiedete Text wird nun an den Belém-Palast weitergeleitet, wo Präsident António José Seguro entscheiden wird, ob er das Gesetz unterzeichnet, ein Veto einlegt oder eine weitere verfassungsrechtliche Prüfung anordnet.
Das Gesetz führt strengere Aufenthaltsvoraussetzungen und umfassendere Strafregisterprüfungen für Einbürgerungsbewerber ein. Zudem wird das Berufungsverfahren ausgeweitet, und die Möglichkeit zum Entzug der Staatsbürgerschaft bei Betrug bleibt bestehen. Die nächsten Schritte des Präsidenten werden entscheiden, ob die Änderungen in Kraft treten oder einer weiteren Prüfung unterzogen werden.






