RAW-Gelände in Berlin: Investoren gegen Clubkultur – wer gewinnt den Machtkampf?
Lina SeidelRAW-Gelände in Berlin: Investoren gegen Clubkultur – wer gewinnt den Machtkampf?
Berlins kultige RAW-Fläche steht im Zentrum eines wachsenden Konflikts zwischen Investoren und Clubbetreibern. Die Kurth Gruppe, die das 51.000 Quadratmeter große Gelände 2015 erwarb, plant nun einen umfassenden Umbau – inklusive eines 100 Meter hohen Büroturms. Gleichzeitig droht Clubs wie Crack Bellmer und Cassiopeia die Schließung. Bei einer Protest-Demo mit Rave-Charakter am Samstag wird Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt, während der Streit um Mietverträge, Genehmigungen und die Zukunft des Areals eskaliert.
Die Kurth Gruppe hatte das RAW-Gelände vor fast einem Jahrzehnt mit dem Ziel übernommen, ein gemischt genutztes Stadtquartier mit Büros, Sporteinrichtungen und öffentlichen Freiflächen zu schaffen. Doch nach Einreichung des Bebauungsplans 2019 stockte das Vorhaben, sodass die bestehende Club- und Kulturszene in der Schwebe blieb. Um Genehmigungen zu sichern, bot das Unternehmen den Betreibern extrem niedrige "Mikromieten" an – doch bis 2020 begann keine größere Baumaßnahme.
In jüngster Zeit zog Kurth mehreren Clubs die Betriebsgenehmigungen zurück, wodurch sie rechtlich im Graubereich agieren. Zudem verweigerte das Unternehmen die Verlängerung kurzfristiger Mietverträge und drängt stattdessen auf Wohnungsbau – obwohl im Bezirk ein entsprechendes Verbot gilt. Die Clubbetreiber fürchten nun die endgültige Schließung, während Kurth auf eine zügige Umsetzung seiner Pläne pocht.
Ein Entwurf für eine Einigung sieht langfristige, subventionierte Bedingungen für Kultureinrichtungen vor, garantiert für mindestens 30 Jahre. Doch über den Zeitplan gibt es weiterhin Streit: Kurth fordert bis Monatsende einen verbindlichen Plan, während der Bezirk auf rechtliche Präzision besteht. Unterstützt von SPD, Grünen und der Linken mobilisieren Aktivisten am Samstag, um auf die Krise der Berliner Clubkultur aufmerksam zu machen.
Ziel der Proteste ist es, die Behörden zum Handeln zu bewegen und die kulturelle Zukunft des RAW-Geländes zu sichern. Ohne eine Einigung könnten die Clubs für immer schließen – und Kurths Umbaupläne voranschreiten. Nun müssen Bezirk und Investor einen Kompromiss finden, sonst droht der Verlust eines zentralen Ortes der Berliner Nachtkultur.






