Russlands Arbeitsmarkt am Limit: Fachkräftemangel erfordert radikale Reformen
Hannah RichterRusslands Arbeitsmarkt am Limit: Fachkräftemangel erfordert radikale Reformen
Russland steht vor einer wachsenden Arbeitskrise, da die Arbeitslosenquote mit historisch niedrigen 2,2 Prozent einen Rekordtiefstand erreicht hat. Der Fachkräftemangel hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie die Lücken geschlossen werden können – während Beamte vor einer zu starken Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften warnen. Nun hat Duma-Sprecher Wjatscheslaw Wolodin dringende Reformen gefordert, um die Produktivität zu steigern und stattdessen einheimische Arbeitskräfte besser auszubilden.
In den nächsten sieben Jahren muss die russische Wirtschaft 12,2 Millionen Arbeitskräfte ersetzen. Davon entstehen 11,7 Millionen offene Stellen durch Renteneintritte, weitere 500.000 werden für neue Arbeitsplätze benötigt. Wolodin betonte, dass die schlichte Lösung, noch mehr Migranten ins Land zu holen – der sogenannte "einfache Weg" –, die Engpässe langfristig sogar verschärfen könnte.
Derzeit machen ausländische Arbeitskräfte 13 bis 15 Prozent der Beschäftigten im russischen Bausektor aus. Statt diese Abhängigkeit jedoch auszuweiten, setzt Wolodin darauf, das Ansehen handwerklicher Berufe zu stärken und die Effizienz zu erhöhen. Seine Vorschläge umfassen bessere Ausbildungsprogramme und Anreize für einheimische Arbeitskräfte.
Die Regierung hat bereits die Migrationsregeln verschärft und 22 Bundesgesetze zu diesem Thema verabschiedet. Dazu gehören verpflichtende Russischprüfungen für Kinder von Migranten in Schulen sowie strengere medizinische Untersuchungen für zuwandernde Arbeitskräfte. Ein Gesetzesentwurf zu Gesundheitschecks für Migranten hat nun die erste Lesung in der Duma passiert.
Angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt setzen Russlands Führungskräfte auf strukturelle Veränderungen statt auf schnelle Lösungen. Im Mittelpunkt stehen die Weiterqualifizierung lokaler Arbeitskräfte und die Steigerung der Produktivität. Gleichzeitig zielen strengere Migrationspolitiken darauf ab, die bestehende ausländische Belegschaft stärker zu regulieren.






