Schwarmkraftwerk am Rhein setzt auf hydrokinetische Energie aus Fließgewässern
Emil LangeSchwarmkraftwerk am Rhein setzt auf hydrokinetische Energie aus Fließgewässern
Erstes Schwarmkraftwerk seiner Art entsteht am Rhein
Am Rhein nimmt ein Kraftwerk der besonderen Art Gestalt an: Das Unternehmen Energyminer installiert bei St. Goar 124 Energyfish-Einheiten – ein bedeutender Schritt für die kleinskalige hydrokinetische Energiegewinnung. Das Projekt steht für einen neuen Ansatz der dezentralen Stromerzeugung durch Fließgewässer.
Das Energyfish-System besteht aus kleinen, im Fluss verankerten Schwimmturbinen. Jede Einheit misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm. Sie erzeugt bis zu 6 Kilowatt Leistung und speist den Strom über Kabel und landseitige Technik ins Netz ein.
Die Anlage in St. Goar umfasst alle für den Betrieb notwendigen Komponenten – von Genehmigungen über die Vorbereitung des Flussbetts, Verankerungen und Netzanbindung bis hin zu Zugangsrechten und Monitoring. Ein Wartungsplan für die Instandhaltung gehört ebenfalls zum Paket.
Laut Angaben soll jede Einheit jährlich etwa 15 Megawattstunden erzeugen. Ein Schwarm von 100 Modulen könnte somit rund 1,5 Gigawattstunden pro Jahr liefern. Das System ist auf die Bereitstellung von Grundlaststrom ausgelegt, funktioniert bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, ist hochwassersicher und schadet Fischen nicht.
Die gestrichenen Stromgestehungskosten von Energyfish liegen Schätzungen zufolge bei etwa 8 Cent pro Kilowattstunde. Das Projekt verspricht eine durchschnittliche jährliche Rendite von mindestens 8 Prozent über eine Laufzeit von 20 Jahren. Trotz der 124 Einheiten bleibt die Gesamtleistung mit einigen hundert Kilowatt jedoch im unteren Bereich – nicht im Bereich von Zehntausenden Kilowatt.
Die Anlage in St. Goar zeigt das Potenzial von Fließgewässerenergie für zuverlässige, kleinteilige Stromversorgung. Ihr Design und ihre Leistung machen sie besonders für abgelegene Gemeinden interessant, die auf Dieselgeneratoren angewiesen sind und mit hohen Kraftstoffkosten sowie logistischen Herausforderungen kämpfen. Das System bietet eine stetige und planbare Alternative, ersetzt aber keine steuerbare Stromerzeugung vollständig.
