SPD plant Abschaffung des Ehegattensplittings – mehr Frauen in Vollzeit?
Hannah RichterSPD plant Abschaffung des Ehegattensplittings – mehr Frauen in Vollzeit?
Deutschlands langjähriges Ehegattensplitting könnte vor großen Veränderungen stehen. SPD-Chef Lars Klingbeil hat vorgeschlagen, die Steuervergünstigung abzuschaffen, da sie Zweitverdiener – oftmals Frauen – davon abhalte, mehr zu arbeiten. Die Reform zielt darauf ab, bis zu 175.000 Menschen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen und eine Regelung zu modernisieren, die 1958 unter Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeführt wurde.
Das Ehegattensplitting soll Paare mit ungleichen Einkommen entlasten, indem es ihre gemeinsame Steuerlast verringert. Je größer die Differenz zwischen den Gehältern der Partner, desto höher der Steuervorteil. Kritiker werfen dem System jedoch vor, es halte viele – insbesondere Frauen – davon ab, ihre Arbeitszeit auszuweiten oder in Vollzeit zu wechseln.
2025 hatten in Deutschland 16,2 Millionen Frauen einen sozialversicherungspflichtigen Job, doch mehr als die Hälfte (50,8 % bzw. etwa 8,23 Millionen) arbeitete in Teilzeit. Zwar gibt es keine aktuellen Studien, die belegen, wie viele direkt von einer Abschaffung profitieren würden, doch Ökonomen argumentieren, dass damit ein zentrales Hindernis für höhere Beschäftigung entfiele.
Klingbeils Vorschlag ist Teil einer umfassenderen Steuerreform und wird von der SPD-Stellvertreterin Wiebke Esdar unterstützt, die bis Sommer 2026 ein faireres, modernisiertes System anstrebt. Auch CDU-Familienministerin Karin Prien befürwortet eine Reform, wenn auch nicht zwingend eine vollständige Abschaffung. Sollte der Plan umgesetzt werden, müssten Paare mit großen Einkommensunterschieden mehr Steuern zahlen – was die finanziellen Anreize für Doppelverdiener-Haushalte verändern würde.
Die mögliche Reform könnte den deutschen Arbeitsmarkt neu gestalten, indem sie mehr Vollzeitarbeit fördert. Mit bis zu 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen würde die Änderung vor allem Haushalte treffen, in denen ein Partner deutlich weniger verdient. Die Debatte dreht sich nun darum, ob das seit fast sieben Jahrzehnten bestehende Steuermodell angepasst oder gänzlich abgeschafft werden soll.






