02 April 2026, 12:43

"Special Relationship" auf dem Prüfstand: Warum Großbritannien an den USA festhält – trotz Kritik und Kontroversen

Offenes Buch mit dem Titel "Europas Warnstück oder gute Nachricht für Großbritannien" auf der Seite sichtbar.

"Special Relationship" auf dem Prüfstand: Warum Großbritannien an den USA festhält – trotz Kritik und Kontroversen

Die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA werden seit langem als "besonders" beschrieben. Politiker auf beiden Seiten des Atlantiks messen ihr oft eine einzigartige Bedeutung bei – auch wenn amerikanische Politiker mitunter ein idealisiertes Bild Großbritanniens pflegen, das der Realität nicht mehr entspricht. Diese Dynamik hat bereits zu politischen Fehleinschätzungen geführt, von der Beteiligung am Irakkrieg bis hin zu überzogenen Erwartungen an ein Handelsabkommen nach dem Brexit.

Nun mehren sich die Spannungen. Einige US-Persönlichkeiten, darunter Donald Trump und Elon Musk, haben Großbritanniens Niedergang offen kritisiert und sogar soziale Unruhen vorhergesagt. Gleichzeitig halten britische Führungskräfte weiterhin an der engen Bindung zu Washington fest – trotz jüngster Kontroversen, wie etwa der Ernennung Peter Mandelsons zum Botschafter durch Keir Starmer, obwohl dieser in der Vergangenheit mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht wurde.

Die enge Verbindung zwischen den beiden Nationen speist sich unter anderem aus gemeinsamer Sprache und kultureller Geschichte. Wie der US-Zensus von 2020 zeigte, geben mehr Amerikaner englische als jede andere weiße ethnische Herkunft an. Diese Verbundenheit führt zu einer emotionalen Investition, die dazu beiträgt, dass sich die USA stärker für Großbritannien engagieren als für andere Verbündete wie Indien oder Japan.

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Doch gerade diese Nähe hat in der Vergangenheit zu politischen Fehltritten geführt. Britische Regierungen, bestrebt, die Beziehung zu den USA zu wahren, unterstützten den Irakkrieg und hofften später auf ein großes Handelsabkommen nach dem Brexit – beides brachte jedoch nicht die versprochenen Vorteile. Gleichzeitig schwelgen einige Vertreter der US-amerikanischen "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA), darunter Trump und Steve Bannon, in Nostalgie nach einem von Weißen dominierten Großbritannien, das sie als verlorengegangen betrachten. Ihre Rhetorik zeichnet das Vereinigte Königreich oft als eine Nation im Niedergang, wobei Musk sogar vor einem möglichen Bürgerkrieg warnt.

Trotz dieser Spannungen gibt es kaum konkrete Belege für eine direkte Zusammenarbeit zwischen US-MAGA-Anhängern und britischen Rechtsextremen wie Tommy Robinson. Zwar könnten Sprachbarrieren amerikanische Rechtspopulisten eher zu britischen als zu französischen Gleichgesinnten ziehen, doch dokumentierte gemeinsame Auftritte, Erklärungen oder politische Allianzen zwischen ihnen existieren nicht.

Aktuelle Entwicklungen in der britischen Politik fügen der Debatte eine weitere Ebene hinzu. Keir Starmers Entscheidung, Peter Mandelson zum Botschafter in Washington zu ernennen, steht wegen dessen früherer Verbindungen zu Jeffrey Epstein in der Kritik. Die Personalie unterstreicht, wie sehr Großbritannien weiterhin an der transatlantischen Partnerschaft festhält – selbst wenn dies Kontroversen riskiert.

Die sogenannte "special relationship" bleibt ein prägendes Element der Außenpolitik beider Länder. Doch während US-Vertreter Großbritanniens Entwicklung kritisieren und britische Politiker für ihre Amerika-Nähe unter Beschuss geraten, stellt sich die Frage, ob diese Bindung noch im besten Interesse des Vereinigten Königreichs liegt. Manche argumentieren, es sei an der Zeit, dass Großbritannien eine weniger abhängige, weniger emotional aufgeladene Partnerschaft mit den USA anstrebt. Die Diskussion darüber hält in politischen Kreisen und Medien an – etwa im FT Weekend Magazine oder auf Plattformen wie X und Instagram.

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