Splügens umstrittene Faschingstradition: Warum der Pschuuri polarisiert
Lina SeidelSplügens umstrittene Faschingstradition: Warum der Pschuuri polarisiert
Jedes Jahr feiert das Schweizer Dorf Splügen seine berühmteste Tradition: den Pschuuri. Bei diesem Faschingsbrauch werden unverheiratete Frauen und Kinder von vermummten Männern durch die Straßen gejagt. Für die Einheimischen ist es der Höhepunkt des Jahres, doch Außenstehende hinterfragen oft den Charakter des Brauchs.
Das Ritual beginnt als verspieltes Versteckspiel. Ledige junge Männer, die Pschuurirolli genannt werden, setzen Masken und Glocken auf, bevor sie sich auf die Jagd machen. Ihr Ziel ist es, ihre "Opfer" zu fangen und deren Gesichter mit einer dunklen Mischung aus Kohle, Fett und geheimen Zutaten zu beschmieren.
Sobald eine Frau oder ein Kind gesichtet wird, wird die Verfolgung intensiver. Die Männer jagen ihre Ziele durch die engen Gassen Splügens – ein Spektakel, das Spannung und Unbehagen zugleich auslöst. Die Einheimischen betrachten den Pschuuri als Fruchtbarkeitsritual mit tiefen traditionellen Wurzeln. Kritiker von außerhalb des Dorfes hingegen bezeichnen den Brauch als gewalttätig und sexistisch.
Ein Video hält die Reaktionen der Bewohner Splügens fest und gibt Einblick in ihre Haltung zu dieser Sitte. Für viele bleibt das Ereignis ein kostbarer Teil ihrer kulturellen Identität.
Der Pschuuri spaltet nach wie vor die Meinungen. Während die Dorfbewohner ihn als unverzichtbare Tradition verteidigen, argumentieren andere, er zementiere veraltete Denkweisen. Die Zukunft des Rituals hängt davon ab, wie es Splügen schafft, Bewahrung und sich wandelnde gesellschaftliche Erwartungen in Einklang zu bringen.






