Starmer bricht das Eis: Erster britischer Kanzlerbesuch in China seit acht Jahren
Lina SeidelStarmer bricht das Eis: Erster britischer Kanzlerbesuch in China seit acht Jahren
Bundeskanzler Keir Starmer wird 2025 China besuchen – der erste Besuch eines britischen Regierungschefs seit acht Jahren. Die Labour-Regierung strebt an, das Vertrauen wiederaufzubauen und britische Unternehmen mit neuen Chancen zu stärken. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer Neuausrichtung der britischen Chinapolitik, die unter den Vorgängerregierungen jahrelang von Widersprüchlichkeiten geprägt war.
Die Entscheidung fällt in eine Phase angespannter Beziehungen, in der Sicherheitsbedenken und wirtschaftliche Ambitionen immer wieder aufeinandertrafen. Experten kritisierten die früheren Regierungen für ihre unklare und schwankende Haltung gegenüber China, die zu einer reaktiven statt strategischen Politik führte.
Die britischen Beziehungen zu Peking sind seit Jahren belastet. Unter Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak pendelten die Positionen zwischen Annäherung und Zurückhaltung. Die Spannungen verschärften sich durch chinesische Spionageaktivitäten, darunter die Hackerangriffe auf die Handys hochrangiger Beamter zwischen 2021 und 2024, sowie durch Menschenrechtsverletzungen an der uigurischen Bevölkerung und den Fall des Demokratieaktivisten Jimmy Lai.
Wirtschaftliche Hoffnungen trieben einst eine engere Zusammenarbeit voran. David Cameron und George Osborne warben für ein "goldenes Zeitalter" der britisch-chinesischen Beziehungen – doch die versprochenen Vorteile blieben aus. Gleichzeitig führten Sicherheitsbedenken 2020 zum Ausschluss des Technologiekonzerns Huawei vom britischen 5G-Netz; bis nächstes Jahr soll dessen Ausrüstung vollständig entfernt werden. Dennoch unterhielt das Unternehmen in Oxfordshire ein von Huawei finanziertes Büro namens "The Cell", in dem britische Cybersicherheitsexperten die Hardware und Software des Konzerns auf versteckte Risiken prüften.
Jüngste Entscheidungen erhöhten die Komplexität der Lage. Trotz Warnungen von Abgeordneten genehmigte die Regierung den Bau einer großen chinesischen Botschaft in der Nähe des Londoner Finanzdistrikts. Geheimdienste melden weiterhin tägliche Bedrohungen durch staatliche chinesische Akteure – Sicherheitsfragen bleiben damit zentral. Starmer und seine Labour-Regierung versprechen nun einen stabileren Kurs. Nach Jahren der "inkonsistenten Tory-Politik" kündigen sie eine langfristige Strategie an, die wirtschaftliche Interessen mit nationaler Sicherheit in Einklang bringen soll. Der anstehende Besuch signalisiert einen vorsichtigen, aber gezielten Versuch, die Beziehungen neu auszurichten – zu einer Zeit, in der das Vertrauen der Briten in die USA sinkt und die eigene Politik weiterhin unberechenbar wirkt.
Starmers China-Reise 2025 wird die erste eines britischen Premierministers seit 2017 sein. Ziel ist es, britischen Firmen Türen zu öffnen und gleichzeitig die langjährigen Sicherheits- und diplomatischen Herausforderungen anzugehen. Ob daraus eine stabilere Partnerschaft erwächst, hängt davon ab, wie beide Seiten wirtschaftliche Chancen und anhaltende Risiken miteinander vereinbaren.






