Streit um Merz' Rückführungsplan: Sollen 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge Deutschland verlassen?
Hannah RichterStreit um Merz' Rückführungsplan: Sollen 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge Deutschland verlassen?
Ein Plan zur Rückführung syrischer Flüchtlinge aus Deutschland hat scharfe Kritik von Migrationsfachleuten ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz und der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa streben an, innerhalb von drei Jahren 80 Prozent der syrischen Staatsbürger zurückzuführen. Doch es gibt weiterhin Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Integration in Deutschland, wo derzeit fast eine Million Syrer leben.
Merz' Vorschlag richtet sich an die rund 936.000 syrischen Staatsangehörigen, die im März 2026 in Deutschland lebten. Offizielle Zahlen zeigen, dass über 700.000 von ihnen vor dem syrischen Bürgerkrieg geflohen sind. Viele haben sich inzwischen ein Leben in Deutschland aufgebaut, arbeiten, studieren und tragen zu den lokalen Gemeinschaften bei.
Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration, stellt die Umsetzbarkeit des Plans infrage. Er verweist auf die anhaltende Gewalt im Norden und Nordosten Syriens, wo bewaffnete Konflikte weiter bestehen. Die humanitäre und wirtschaftliche Lage dort bleibe instabil, sodass eine sichere Rückkehr nicht garantiert werden könne.
Kluth warnt zudem, dass der Rückführungsdruck falsche Erwartungen wecken und bereits in Deutschland integrierte Flüchtlinge verunsichern könnte. Zwar räumt er ein, dass Syrien Unterstützung beim Wiederaufbau benötige, doch betont er, dass der humanitäre Schutz erst enden dürfe, wenn eine dauerhafte Sicherheit gewährleistet sei. Darüber hinaus argumentiert er, dass der deutsche Arbeitsmarkt leiden könnte, wenn qualifizierte Arbeitskräfte das Land verlassen müssten.
Der Experte unterstreicht, dass jede Entscheidung das Wohl der Geflüchteten mit den wirtschaftlichen Interessen Deutschlands in Einklang bringen müsse. Bisher sehe er jedoch keine klaren Anzeichen dafür, dass Syrien die für groß angelegte Rückführungen notwendige Stabilität biete.
Die Debatte über die Rückführung hält an, während Deutschland humanitäre Bedenken gegen politische Ziele abwägt. Da fast eine Million Syrer in die deutsche Gesellschaft integriert sind, hängt der Erfolg des Plans davon ab, ob sich die Lage in Syrien verbessert. Bis dahin bleibt die Zukunft der Betroffenen ungewiss.






