Studie enthüllt strukturellen Rassismus in deutschen Behörden – doch Reformen bleiben aus
Mila VoigtStudie enthüllt strukturellen Rassismus in deutschen Behörden – doch Reformen bleiben aus
Eine Regierungsstudie zu Rassismus in deutschen Bundesbehörden hat zwar Debatten ausgelöst, aber zu keinen größeren Reformen geführt. Die 2023 veröffentlichte Untersuchung deckte weitverbreitete Diskriminierung auf, die in Abläufen und Entscheidungsprozessen verankert ist. Kritiker monieren, dass die Behörden trotz der Erkenntnisse bis Anfang 2026 keine konkreten Schritte eingeleitet haben.
Die Studie "Institutionen und Rassismus" (InRa) war bereits Jahre zuvor in der vorletzten Legislaturperiode in Auftrag gegeben worden. Über drei Jahre hinweg untersuchten Forscherinnen und Forscher Behörden wie Arbeitsagenturen, Jugendämter und Ausländerbehörden. Ihre Ergebnisse zeigten, dass Rassismus selten als offene Feindseligkeit in Erscheinung tritt, sondern in den alltäglichen Praktiken, administrativen Entscheidungen und der Organisationskultur verwoben ist.
Der Bericht machte deutlich, dass sich Betroffene von Diskriminierung durch staatliche Stellen nicht auf das zentrale deutsche Antidiskriminierungsgesetz berufen können. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erfasst nämlich nicht das Verhältnis zwischen Behörden und Bürgerinnen und Bürgern – eine gravierende Schutzlücke. Zwar lobte die Studie die "überwiegende Mehrheit" der Beschäftigten für ihre Professionalität und ihr Engagement, benannte aber zugleich rassistische Einstellungen und Vorurteile bei einzelnen Mitarbeitenden sowie mangelhafte Beschwerdeverfahren.
Innenminister Alexander Dobrindt wies Vorwürfe zurück, die Studie sei vertuscht worden, und betonte, es habe keine Versuche gegeben, die Ergebnisse zu unterdrücken. Das Innenministerium veröffentlichte den Bericht vollständig, leitete ihn an die zuständigen Behörden weiter und stellte ihn der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dennoch waren bis Februar 2026 weder gesetzliche noch strukturelle Reformen umgesetzt worden. Im Bundestag gab es zwar Debatten, doch weder neue Gesetze noch Umstrukturierungen in Behörden oder politische Maßnahmen zur Behebung der identifizierten Probleme wurden beschlossen.
Die Studie legte systemischen Rassismus in Bundesbehörden und Lücken im rechtlichen Schutz offen. Bis Anfang 2026 wurden jedoch keine Reformen verabschiedet, um diese Missstände zu beheben. Die Erkenntnisse bleiben zwar zugänglich, doch verbindliche Maßnahmen zur Verhinderung von Diskriminierung in öffentlichen Institutionen fehlen nach wie vor.
AKTUALISIERUNG — 01.03.2026 04:20
Neue Details zum Finanzierung und Zeitplan der Landmark-Studie "Rassismus"
Die Ursprünge der InRa-Studie gehen auf das Jahr 2020 zurück, als das Bundesministerium des Innern sechs Millionen Euro für das Projekt bereitstellte. Wichtige Entwicklungen sind:
- Die Studie wurde 2020 in Auftrag gegeben und erstreckte sich über drei Jahre auf acht FGZ-Standorte.
- Der Abschlussbericht wurde bis Ende 2024 fertiggestellt und am 13. Februar 2026 veröffentlicht.
- Die Forschung umfasste 23 Teilstudien, die von Professor Gert Pickel geleitet wurden und sich auf systematische Muster in Bundesbehörden konzentrierten.
SPD kritisiert Untätigkeit bei Veröffentlichung von Racial Discrimination Study-Ergebnissen
Die SPD wirft Bundesinnenminister Alexander Dobrindt mangelhafte Behandlung der Veröffentlichung der InRa-Studie zu institutionellem Rassismus vor. Wichtige Kritikpunkte sind:
- Die mit 6 Millionen Euro geförderte Forschung wurde online veröffentlicht ohne eine Pressekonferenz oder Medienankündigung.
- Sprecherin Rasha Nasr bezeichnete diesen Ansatz als 'fragwürdig', da trotz der Größe der Studie keine öffentliche Beteiligung erfolgte.
- Der Minister verteidigte die Transparenz, doch Kritiker argumentieren, dass die Ergebnisse weiterhin unzureichend veröffentlicht und nicht umgesetzt werden.