Studie zeigt: Mindestlohn bekämpft Armut kaum – trotz Erhöhung auf 15 Euro
Emil LangeStudie zeigt: Mindestlohn bekämpft Armut kaum – trotz Erhöhung auf 15 Euro
Eine neue Studie stellt infrage, wie wirksam der Mindestlohn in Deutschland Armut tatsächlich bekämpft. Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass selbst eine Anhebung auf 15 Euro die Armutsquote kaum spürbar senken würde. Die Erkenntnisse erscheinen zu einer Zeit, in der die Diskussionen über die Effektivität der Maßnahme zur Unterstützung von Geringverdienern weitergehen.
Das Kölner Institut für Wirtschaftsforschung (IW) hat die Auswirkungen von Mindestlohnerhöhungen analysiert. Demnach würde eine schrittweise Anhebung auf 14,60 Euro bis 2027 die bundesweite Armutsquote lediglich um 0,2 Prozentpunkte verringern. Aktuell gelten 16,3 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet – definiert als ein Einkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltsnettoeinkommens.
Für Beschäftigte, die weniger als 12 Euro pro Stunde verdienen, zeigt die Maßnahme jedoch Wirkung: In dieser Gruppe sank das Armutsrisiko nach Einführung des Mindestlohns um 5,5 Prozentpunkte. Befürworter verweisen darauf, dass die Löhne für diejenigen gestiegen seien, die zuvor unter der neuen Untergrenze bezahlt wurden.
Kritiker warnen hingegen vor unerwünschten Nebenwirkungen. Sie argumentieren, dass höhere Lohnkosten Unternehmen dazu veranlassen, weniger Personal einzustellen. Zudem betont das Institut, dass die Auswirkungen auf die späteren Rentenansprüche von Vollzeitbeschäftigten voraussichtlich minimal bleiben werden.
Die Studie legt nahe, dass der Mindestlohn zwar einzelnen Geringverdienern hilft, sein gesamtwirtschaftlicher Effekt auf die Armutsbekämpfung jedoch begrenzt bleibt. Angesichts der weiterhin steigenden Armutsquote könnten Politiker zusätzliche Maßnahmen in Betracht ziehen müssen. Die Debatte darüber, wie faire Löhne und Stabilität auf dem Arbeitsmarkt in Einklang zu bringen sind, wird voraussichtlich anhalten.






