Theater hinter Gittern: Wie junge Inhaftierte mit DNA Freiheit erleben
Mila VoigtTheater hinter Gittern: Wie junge Inhaftierte mit DNA Freiheit erleben
Einzigartige Theateraufführung in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden
In der Jugendstrafanstalt Wiesbaden hat eine außergewöhnliche Theateraufführung stattgefunden. Rund 80 Zuschauer verfolgten, wie junge Inhaftierte DNA, ein Stück des britischen Autors Dennis Kelly, auf die Bühne brachten. Die Produktion ist Teil einer jährlichen Tradition, in der Theaterpädagogik als fester Bestandteil des Resozialisierungsprogramms der Anstalt dient.
Am Ende der Vorstellung belohnte das Publikum die Darsteller mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus. Die Schauspieler und das Team kehrten immer wieder auf die Bühne zurück, um sich für den herzlichen Empfang zu bedanken.
Die diesjährige Aufführung fand auf der hauseigenen Studiobühne statt – die einzige ihrer Art in einer deutschen Justizvollzugsanstalt. Regisseur Matze Vogel wählte DNA wegen seiner Auseinandersetzung mit Gruppendynamiken unter Jugendlichen und der Frage, wie diese in Gewalt umschlagen können. Die Themen des Stücks trafen bei den jungen Darstellern auf besondere Resonanz, von denen viele das Theater als Möglichkeit nutzen, eigene Erlebnisse zu verarbeiten.
Für die beteiligten Inhaftierten ist das Projekt weit mehr als nur ein kreativer Ausgleich. Ein Darsteller, der nur unter dem Kürzel J. genannt werden möchte, beschrieb seine Erfahrung schlicht: "Theater lässt mich Freiheit spüren." Ein weiterer Schauspieler, E., erklärte, dass ihn das Hineinschlüpfen in verschiedene Rollen dabei unterstütze, seine Emotionen besser zu verstehen, indem er das Leben aus neuen Perspektiven betrachte. Hinter den Kulissen begleitet die Kostümbildnerin Nathalie Meyer das Projekt bereits seit zehn Jahren. Sie sorgt dafür, dass die Schauspieler bei Entscheidungen über Kostüme und Bühnenbild mitwirken können.
Die technische Leitung übernahm B., der die Verantwortung schätzt, sich aber lieber im Hintergrund hält. Jeder Jahresproduktion gehen monatelange Proben voraus, die in zehn ausverkauften Vorstellungen gipfeln – die Karten sind meist innerhalb weniger Tage vergriffen. Das Programm zielt darauf ab, die Teilnehmer durch gemeinschaftliches Erzählen auf ein Leben nach der Haft vorzubereiten und ihr soziales Verantwortungsbewusstsein zu stärken.
Ob ehemalige Teilnehmer nach ihrer Entlassung eine Laufbahn in Kunst oder Handwerk eingeschlagen haben, ist nicht dokumentiert. Doch im Mittelpunkt des Projekts steht ohnehin nicht der berufliche Werdegang, sondern die persönliche Entwicklung.
Die diesjährige Vorstellung endete mit stehenden Ovationen, und die Darsteller mussten sich mehrfach für den Vorhang verbeugen. Die ausverkaufte Spielzeit unterstreicht einmal mehr die Beliebtheit des Programms und seinen Stellenwert innerhalb der Resozialisierungsbemühungen der Anstalt. Für die jungen Inhaftierten bietet das Projekt eine seltene Gelegenheit, in einem strukturierten Rahmen Kreativität, Teamarbeit und Selbstreflexion zu erleben.






