UNESCO ehrt deutsche Traditionen – von Herrenschneidern bis zu Schaustellern auf Jahrmärkten
Hannah RichterUNESCO ehrt deutsche Traditionen – von Herrenschneidern bis zu Schaustellern auf Jahrmärkten
Deutschland hat mehrere neue Traditionen in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Der Staatsminister für Kultur, Wolfram Weimer, und die Deutsche UNESCO-Kommission gaben die neuesten Eintragungen bekannt. Dazu zählen die Fischerei in der Ostsee, die Herrenschneiderei sowie die langjährige Kultur der Schausteller auf Jahrmärkten.
Die Entscheidung lenkt auch den Blick auf das, was nicht berücksichtigt wurde – darunter der Döner Kebab und linksgerichtete Buchhandlungen. Gleichzeitig hat eine separate Kontroverse um die Streichung eines palästinensischen Übersetzungsprojekts aus der Berliner Förderliste für Aufmerksamkeit gesorgt.
Die neu anerkannten Traditionen umfassen ein breites Spektrum deutscher Kulturpraktiken. Die Zirkuskunst wurde 2023 offiziell als eigenständige Darstellungsform anerkannt. Daneben fand auch das Handwerk der Herrenschneiderei – bekannt für seine Präzision und Tradition – Aufnahme in die Liste. Die Schaustellerkultur, symbolisiert durch den historischen "Jungen Mann für die Reise"-Anwerbeaufruf, ist ebenfalls nun vertreten.
Weitere Neuzugänge sind die Laternenumzüge zu St. Martin im Rheinland, ein jahrhundertealtes Fest, sowie das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz, eine basisdemokratische Sporttradition. Unklar bleibt jedoch, nach welchen Kriterien die Deutsche UNESCO-Kommission ihre Auswahl trifft. Details dazu, wie sich die aktuellen Entscheidungen von früheren unterscheiden, wurden nicht veröffentlicht.
In einem separaten Schritt strich Weimers Ministerium kürzlich ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Diese Entscheidung löste Proteste von Kulturminister:innen und Senator:innen in acht SPD-regierten Bundesländern aus. Kritiker:innen hinterfragen Weimers generellen Ansatz zur Bewahrung von Kultur – insbesondere mit Blick auf die Auslassungen in der UNESCO-Liste.
Die aktualisierte UNESCO-Liste umfasst nun deutsche Traditionen von der Schneiderei bis zum Schaustellerleben. Doch das Fehlen von Elementen wie dem Döner oder unabhängigen Buchhandlungen hat Diskussionen ausgelöst. Die Streichung des palästinensischen Übersetzungsprojekts hat die Debatten über Kulturförderung und Anerkennung weiter verschärft.






