Ungarns Wahl 2024: Warum Orbáns Fidesz trotz Umfrage-Rückstands siegen könnte
Emil LangeUngarns Wahl 2024: Warum Orbáns Fidesz trotz Umfrage-Rückstands siegen könnte
Ungarns Parlamentswahlen am 12. April versprechen ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Die anstehenden Parlamentswahlen in Ungarn am 12. April werden voraussichtlich ein enges Rennen. Umfragen zeigen die Oppositionsbewegung Tisza unter der Führung von Péter Magyar mit einem leichten Vorsprung vor der Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán. Dennoch bleibt die regierende Partei trotz dieses knappen Rückstands aufgrund des umstrittenen Wahlsystems des Landes im Vorteil.
Das aktuelle System wurde 2011 unter Orbán und Fidesz umgestaltet. Zu den Änderungen gehörten die Verringerung der Zahl der Parlamentssitze sowie die Verleihung des Wahlrechts an im Ausland lebende ethnische Ungarn. Rund 500.000 dieser Wähler haben sich für die April-Wahl registriert – eine Gruppe, die traditionell eher Fidesz zugeneigt ist.
Die 199 Sitze im Parlament werden nach zwei Wahlverfahren vergeben: 93 Sitze werden proportional nach den Stimmen für die Parteilisten verteilt, die verbleibenden 106 in Einerwahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht entschieden. Diese Wahlkreise wurden zugunsten von Fidesz neu gezogen, sodass deren Anhänger mehr Einfluss pro Stimme haben als Wähler in oppositionell geprägten Gebieten.
Bei der Wahl 2022 erhielt Fidesz 54,1 Prozent der Listenstimmen, sicherte sich aber 135 Sitze – 67,8 Prozent des Parlaments –, nachdem die Partei 83 der 106 Direktmandate gewonnen hatte. Diese Diskrepanz zeigt, wie ein geringer Vorsprung bei den Listenstimmen nicht automatisch zu einem Sieg der Opposition führt. Selbst mit einem Zwei- bis Drei-Prozent-Punkte-Vorsprung bei der Verhältniswahl könnte die verzerrte Wahlkreisaufteilung Fidesz dennoch die Mehrheit bescheren.
Klára Dobrev, Vorsitzende der Demokratischen Koalition, hat das System als "Wahlbetrug" kritisiert. Sie kündigte an, im Falle eines Machtwechsels das Wahlrecht für im Ausland lebende Ungarn abzuschaffen.
Die Wahl am 12. April wird zeigen, ob Umfragewerte strukturelle Vorteile überwinden können. Ein knapper Ausgang bei den Listenstimmen könnte für die Opposition nicht ausreichen, um eine Mehrheit zu erringen. Das Ergebnis wird davon abhängen, wie sich die Direktmandate unter den aktuellen Wahlkreisgrenzen verteilen.






