Wie Berlins Arbeiter 1945 die Gewerkschaften aus den Trümmern neu aufbauten
Hannah RichterWie Berlins Arbeiter 1945 die Gewerkschaften aus den Trümmern neu aufbauten
In Berlin vollzog sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein rascher Wandel in der Arbeiterbewegung. Bereits im Mai 1945, nach der Kapitulation der NS-Truppen, begannen Arbeiter umgehend mit dem Wiederaufbau der Gewerkschaften. Innerhalb weniger Wochen liefen bereits Initiativen an, um Arbeitsplätze wiederherzustellen und die Rechte der Beschäftigten zu stärken.
Offiziell endete der Krieg in Berlin am 2. Mai 1945 mit der Kapitulation der NS-Streitkräfte vor den Alliierten. Sechs Tage später unterzeichneten diese in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Die Stadt lag in Trümmern, darunter auch zentrale Orte wie das Karstadt-Kaufhaus am Hermannplatz, das die SS im April gesprengt hatte, um der Roten Armee den Zugang zu Lebensmittelvorräten zu verwehren. Dennoch sicherten Mitarbeiter und gewerkschaftliche Vertrauensleute bereits in den folgenden Wochen an derselben Stelle grundlegende Versorgungsgüter.
Am 17. Mai 1945 trafen sich Gewerkschaftsvertreter der Berliner Elektrizitätswerke (Bewag), um über die Entlassung ehemaliger NSDAP-Mitglieder und die Wiedereinstellung entlassener Kollegen zu beraten. Bis August übten Beschäftigte in vielen Betrieben aktiv ihre Mitbestimmungsrechte aus, wie aus zeitgenössischen Gewerkschaftsdokumenten hervorgeht.
Im Juni gewann die Bewegung für eine einheitliche Arbeitervertretung an Fahrt. Am 15. des Monats veröffentlichte das Vorbereitende Gewerkschaftskomitee für Groß-Berlin seinen Gründungsaufruf. Nur zwei Tage später, am 17. Juni, wurde der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) offiziell gegründet. Die Mitgliedszahlen stiegen rasant: Bis Anfang 1946 zählte der Verband bereits 300.000 Mitglieder, bis Ende desselben Jahres über eine halbe Million.
Interne Konflikte zerrütteten die Bewegung später. Bis Mai 1948 führten Streitigkeiten innerhalb des FDGB zur Gründung der Unabhängigen Gewerkschaftsorganisation (UGO), was die Berliner Gewerkschaftslandschaft spaltete.
Der FDGB entwickelte sich zu einer prägenden Kraft im Wiederaufbau Berlins nach dem Krieg und zählte bis Ende 1946 über eine halbe Million Mitglieder. Doch die Spaltungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung führten schließlich zur Entstehung konkurrierender Gruppen. Der Historiker Henning Fischer hat diese Entwicklungen später dokumentiert und dabei insbesondere die betrieblichen und mittleren Gewerkschaftsstrukturen während der Zeit des Kalten Krieges untersucht.






