Zuckersteuer auf Limonaden: Warken plant gestaffelte Abgabe bis zum Sommer
Hannah RichterZuckersteuer auf Limonaden: Warken plant gestaffelte Abgabe bis zum Sommer
In Deutschland könnte bald über eine neue Zuckersteuer auf gesüßte Getränke debattiert werden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant, noch vor dem Sommer einen Gesetzesentwurf vorzulegen. Der Vorschlag sieht eine gestaffelte Abgabe vor – 26 Cent pro Liter für Getränke mit 5 bis 8 Gramm Zucker und 32 Cent für solche mit 8 Gramm oder mehr.
Die Idee stößt jedoch bereits auf Widerstand. Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) lehnt sie kategorisch ab, während Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) die Maßnahme als Mittel zur Senkung der langfristigen Gesundheitskosten unterstützt. Die geplante Steuer folgt den Empfehlungen einer Expertenkommission, deren Bericht nahelegt, dass eine solche Abgabe helfen könnte, steigende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu verhindern. Mehrere europäische Länder haben bereits ähnliche Regelungen eingeführt, darunter Großbritannien, Frankreich, Finnland und Portugal.
In Großbritannien führte eine gestaffelte Zuckersteuer, die 2018 eingeführt wurde, laut einer Studie der Universität Cambridge zu einem Rückgang des Zuckerkonsums bei Kindern und Erwachsenen. Allerdings gab es vor der Verabschiedung heftigen Widerstand aus der Zuckerindustrie. Weltweit verzeichnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass 116 Länder Zuckersteuern eingeführt haben – mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Innerhalb Deutschlands hatte der jüngste CDU-Parteitag eine Zuckersteuer abgelehnt. Dennoch argumentiert Czyborra, dass die eingenommenen Mittel in Präventionsprogramme und die medizinische Versorgung fließen könnten. Sie sieht in der Steuer einen pragmatischen Schritt, um die öffentliche Gesundheit zu stärken, ohne die Gesamtausgaben zu erhöhen.
Warkens Vorschlag zielt speziell auf zuckerhaltige Getränke ab und sieht höhere Abgaben für Produkte mit besonders hohem Zuckergehalt vor. Sollte die Steuer beschlossen werden, würde sie sich in die größeren Bemühungen einfügen, Fettleibigkeit und damit verbundene Gesundheitsprobleme im Land zu reduzieren.
Der Steuerentwurf geht nun in die Kabinettsberatungen, wobei Warken eine Sommerfrist anstrebt. Bei einer Verabschiedung würde Deutschland zu den wachsenden Zahl der Länder gehören, die mit fiskalischen Maßnahmen den Zuckerkonsum eindämmen. Das Ergebnis hängt von der politischen Unterstützung, der Reaktion der Industrie und davon ab, ob die Einnahmen wirksam für Verbesserungen im Gesundheitswesen genutzt werden können.






