70 Jahre "Sowremennik"-Theater: Wie eine mutige Bühne Russland prägte
Das "Sowremennik"-Theater – eine der renommiertesten Bühnen Russlands – feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Gegründet 1956, revolutionierte es mit einer bahnbrechenden Premiere die moderne russische Dramatik. Über die Jahrzehnte hinweg prägte sein innovativer Geist und sein mutiges Spiel das kulturelle Gedächtnis des Landes nachhaltig.
Die Geschichte des Theaters begann 1956, als Oleg Jefremow eine Gruppe junger Schauspieler in der Uraufführung von "Die Ewigen" von Viktor Rosow anführte. Die Inszenierung, die im Studio der Moskauer Kunsttheaterschule stattfand, sorgte sofort für Furore. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Legenden wie Oleg Tabakow, Igor Kwascha, Lilia Tolmatschowa, Viktor Sergatschow und Jewgeni Jewstignejew – Namen, die später die russische Theaterlandschaft prägen sollten.
Jefremow wurde zur unangefochtenen Führungsfigur des "Sowremennik" und leitete das Ensemble mit fördernder Hand statt mit strenger Autorität. Sein Ansatz beflügelte die Kreativität, doch sein späterer Abgang stürzte die Kompanie in eine tiefe Krise. Trotz aller Widrigkeiten blühte das Theater unter Galina Woltschek auf, die die künstlerische Leitung übernahm. In den frühen 1990er-Jahren führte sie das "Sowremennik" sogar an den Broadway, wo die Aufführungen als revolutionär gefeiert wurden.
Einzigartig war auch das interne System des Theaters: Am Ende jeder Spielzeit stimmten die Mitglieder ab, welche Schauspieler bleiben durften. Diese demokratische Praxis festigte seinen Ruf als mutige Institution. Offiziell anerkannt wurde das "Sowremennik" 1965 von der damaligen Kulturministerin Jekaterina Furtsewa – fortan galt es als Symbol künstlerischer Freiheit. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bezeichnete die Produktionen der 1990er-Jahre später als einen "Hauch von Freiheit" für alle, die russische Kultur im Ausland verbreiteten.
Heute steht der Schauspieler und Regisseur Wladimir Maschkow an der Spitze des Theaters. Seit er 2024 die Leitung übernahm, betont er immer wieder, wie sehr ihn die Gründergeneration prägt – und sorgt dafür, dass ihr Erbe weiterlebt.
Von seinen radikalen Anfängen bis zu den Gastspielen am Broadway blieb das "Sowremennik"-Theater eine Säule der russischen Bühnenkunst. Seine Methoden – ob demokratische Abstimmungen oder furchtlose Inszenierungen – machten es über sieben Jahrzehnte hinweg einzigartig. Nun blickt die Institution nach vorn: verwurzelt in ihrer Vergangenheit, doch gestaltend für die Zukunft des Theaters.






