Apotheken protestieren bundesweit gegen stagnierende Vergütungen und steigende Kosten
Mila VoigtApotheken protestieren bundesweit gegen stagnierende Vergütungen und steigende Kosten
Tausende Apothekenmitarbeiter sind gestern in deutschen Großstädten auf die Straße gegangen. Rund 25.000 Beschäftigte demonstrierten in Berlin, München, Hannover und Düsseldorf gegen seit Jahren stagnierende Vergütungen und steigende Kosten. Die Proteste fanden statt, während die Bundesregierung unter Druck steht, ein 12-Milliarden-Euro-Loch in der gesetzlichen Krankenversicherung für das kommende Jahr zu schließen.
Die Kundgebungen wurden organisiert, nachdem die Apothekenvergütungen seit 13 Jahren eingefroren blieben – trotz eines Anstiegs der Betriebskosten um 26 Prozent. Die Bundesapothekerkammer (ABDA) wies darauf hin, dass die jährlichen Vergütungen für Apotheken derzeit bei etwa 7,1 Milliarden Euro liegen, viele Apotheken jedoch kaum noch ihre Ausgaben decken können. Als Reaktion bekräftigte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) das Versprechen der Koalition, die Vergütung pro Rezept von 8,35 auf 9,50 Euro anzuheben – wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Weitere Details nannte sie nicht.
Große Medien wie Tagesschau, Die Zeit und Deutschlandfunk berichteten über die Proteste. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zeigte auf der Titelseite ein Foto des Berliner Demonstrationszugs mit der Schlagzeile: "Kostenlose Familienversicherung für Ehepartner in Gefahr". Der Artikel thematisierte mögliche Kürzungen im Rahmen der Sparpläne der Regierung, die darauf abzielen, die Beitragssätze zu stabilisieren.
Unterdessen wird die GKV-Finanzkommission voraussichtlich am Montag Maßnahmen vorstellen, um das Milliarden-Defizit zu bekämpfen. Zur Diskussion stehen unter anderem Streichungen der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern – eine Maßnahme, die direkt versicherte Patienten treffen würde. Viele Apotheken blieben gestern aus Solidarität mit den Protesten geschlossen, was die Versorgung zusätzlich beeinträchtigte.
Bisher ist die angekündigte Erhöhung der Apothekenvergütungen die einzige konkrete Maßnahme der Regierung. Angesichts der drohenden 12-Milliarden-Lücke in der Krankenversicherung zeichnen sich jedoch weitere Kürzungen bei den Leistungen ab. Die anstehende Bekanntgabe der Finanzkommission wird zeigen, wie Patienten und Leistungserbringer im kommenden Jahr betroffen sein werden.






