Apothekenreformen gefährden Patientensicherheit und Personalstabilität in Deutschland
Mila VoigtApothekenreformen gefährden Patientensicherheit und Personalstabilität in Deutschland
Ein jüngster Besuch der SPD-Abgeordneten Rasha Nasr in der Knut-Apotheke in Dresden hat die wachsenden Bedenken gegenüber den geplanten Apothekenreformen in Deutschland in den Fokus gerückt. Michael Gäbe, der Inhaber der Apotheke, warnte, dass die vorgeschlagenen Änderungen – darunter erweiterte Aufgaben für pharmazeutisches Fachpersonal – die Personalknappheit verschärfen und die Patientensicherheit gefährden könnten.
Die Debatte findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem Apotheken unter finanziellen Belastungen leiden. Durch die Reformen könnten ihre jährlichen Einnahmen ab 2026 um bis zu 1,5 Milliarden Euro sinken.
Nasr, die über keine formale Ausbildung in Gesundheitspolitik verfügt, besuchte die Dresdner Apotheke, um sich ein besseres Bild von den Herausforderungen zu machen, vor denen öffentliche Apotheker stehen. Gäbe erläuterte, wie Apotheken als wichtige erste Anlaufstellen im Gesundheitssystem fungieren – etwa durch Medikamenten-Checks und die Vermeidung gefährlicher Wechselwirkungen.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand das geplante Vergütungssystem, das nach Ansicht der Apothekeninhaber fair angepasst werden muss, um die Versorgungsqualität zu erhalten. Gäbe betonte, dass die finanzielle Stabilität der Apotheken sowie mehr Verantwortung für Apotheker – und nicht nur für das Fachpersonal – die Personalengpässe besser lösen würden.
Nasr habe Gäbes Argumente aufmerksam verfolgt und zugesagt, die Bedenken nach Berlin zu tragen, hieß es. Die Politikerin räumte ein, dass im Gesetzgebungsprozess fundierte Entscheidungen notwendig seien.
Die zwischen 2024 und 2026 im Bundestag diskutierten Reformen umfassen unter anderem die Lockerung der Arzneimittelpreisbindung, die Überarbeitung der AMNOG-Erstattungsregeln und ein Rabattverbot. Diese Maßnahmen könnten die Einnahmen der Apotheken um jährlich 1,5 Milliarden Euro schmälern – mit der Folge, dass ihre Fähigkeit, Leistungen aufrechtzuerhalten, infrage steht.
Der Besuch unterstreicht die Spannungen zwischen Politikern und Apothekeninhabern über die finanziellen und betrieblichen Auswirkungen der Reform. Nasrs Engagement deutet auf eine gewisse Bereitschaft hin, die Pläne zu überdenken, auch wenn bisher keine konkreten Änderungen angekündigt wurden.
Gäbes Warnungen spiegeln die branchenweite Sorge wider, dass Kostensenkungen und Verschiebungen in den Zuständigkeiten die Fähigkeit der Apotheken schwächen könnten, eine sichere und hochwertige Versorgung zu gewährleisten.