14 March 2026, 08:03

Berlin führt UN-Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit ein – doch die Kritik bleibt

Eine Gruppe von Menschen marschiert durch eine Straße in Berlin, mit Plakaten und Bannern, einige fahren Fahrräder, protestieren gegen die Anti-Kriegsbewegung, mit einem Gebäude mit Fenstern, Überwölbungen, Pfeilern und Skulpturen, sowie Bäumen und einem Lichtmast im Hintergrund.

Berlin führt UN-Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit ein – doch die Kritik bleibt

Berlin gedenkt künftig am 15. März des UN-Tags gegen Islamfeindlichkeit

Berlin wird als erstes deutsches Bundesland offiziell den Internationalen Tag zur Bekämpfung von Islamophobie der Vereinten Nationen am 15. März begehen. Doch die Entscheidung hat unter Politiker:innen, Aktivist:innen und muslimischen Gemeinschaften eine Debatte über Sinn und Zeitpunkt ausgelöst.

Vor einem Jahr hatte der Berliner Senat unter der rot-schwarzen Koalition den neuen Gedenktag beschlossen. Befürworter:innen wie Rima Hanano von der Nichtregierungsorganisation Claim verweisen auf die steigende Zahl antimuslimischer Vorfälle. Allein 2024 registrierte ihre Organisation in Berlin 644 Fälle – ein Anstieg von fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kritiker:innen hingegen hinterfragen die Fokussierung auf Islamfeindlichkeit. Martin Hikel, SPD-Bezirksbürgermeister von Neukölln, betont, dass antisemitische Angriffe nach wie vor deutlich häufiger seien als antimuslimische Vorfälle. Auch die Menschenrechtsanwältin Seyran Ateş lehnt den Termin ab und plädiert stattdessen für den 22. August, den UN-Gedenktag für Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Weltanschauung.

Einige muslimische Gruppen bevorzugen alternative Gedenktage. So möchte die Ahmadiyya-Khadija-Moschee in Pankow lieber am 1. Juli an Marwa El-Sherbini erinnern, die 2009 einem rassistischen Mord zum Opfer fiel. Imam Scharjil Khalid von der Ahmadiyya-Gemeinde berichtet von anhaltenden verbalen Angriffen und Druck auf muslimische Kinder in Schulen. Gleichzeitig weist Iman Andrea Reimann vom Deutschen Muslimischen Zentrum (DMZ) auf Feindseligkeiten gegenüber kopftuchtragenden Frauen hin – selbst in Westdeutschland.

Trotz unterschiedlicher Positionen belegen Daten, dass Islamfeindlichkeit weiterhin ein Problem ist. Berlin, Heimat einer der größten muslimischen Gemeinschaften Deutschlands, sieht sich weiterhin mit Diskriminierung und strukturellen Herausforderungen konfrontiert.

Der neue Gedenktag findet am 15. März statt. Während einige die Initiative als notwendige Reaktion auf die wachsende Zahl von Vorfällen unterstützen, fordern andere breitere oder anders gelagerte Erinnerungsformate. Offizielle Zahlen zu islamfeindlichen Straftaten für 2025 liegen noch nicht vor – die Debatte stützt sich daher auf frühere Trends und Berichte aus den Communities.

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