Berliner Buchladen kämpft um Kulturpreis – und gegen politische Zensurvorwürfe
Hannah RichterBerliner Buchladen kämpft um Kulturpreis – und gegen politische Zensurvorwürfe
Ein Berliner Buchladen steht im Zentrum einer wachsenden Kontroverse, nachdem er von einem renommierten nationalen Preis ausgeschlossen wurde. Zur schwankenden Kugel, eine linksgerichtete Buchhandlung in der Hauptstadt, wurde von der Shortlist für den Deutschen Buchhandelspreis gestrichen – auf Anordnung des Bundeskulturbeauftragten Wolfram Weimer. Die Entscheidung löste breite Empörung aus: Kunden strömen in Solidarität in den Laden, während Kritiker dem Vorgehen politische Voreingenommenheit vorwerfen.
Die Welle der Empörung beschränkt sich nicht auf Berlin. Buchhandlungen in Frankfurt, Bremen und anderen Städten verurteilten den Ausschluss als Angriff auf die unabhängige Kulturlandschaft. Die betroffene Buchhandlung selbst hat inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet und argumentiert, es gehe nicht nur um eine Auszeichnung, sondern um demokratische Freiheiten.
Der Streit begann, als Weimer die ursprüngliche Jury-Entscheidung überstimmte und vage "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" als Begründung anführte. Weitere Erklärungen blieben aus, was die Buchhandlung und ihre Unterstützer im Unklaren ließ. Die unklare Begründung nährte vielmehr den Verdacht, die Entscheidung sei politisch motiviert.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Anfang März 2026 veröffentlichten Frankfurter Buchhandlungen wie die Autorenbuchhandlung Marx & Co, die Karl Marx Buchhandlung und der Land in Sicht Buchladen eine gemeinsame Stellungnahme. Sie bezeichneten den Ausschluss als gezielten Schlag in einem rechtspopulistischen Kulturkampf. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der bundesweite Verband der Buchhändler, kritisierte das Verfahren als intransparent und ungerecht. In Bremen wurde der Vorfall als Angriff auf basisdemokratische Kulturorte gewertet.
Für Zur schwankenden Kugel sind die Folgen unmittelbar spürbar. Marion Liebhold, eine Sprecherin des Ladens, beschrieb eine "gewaltige Solidaritätswelle". Viele Kunden kämen gezielt, um ihre Unterstützung zu zeigen – einige nennen den Ausschluss absurd. Ein Stammkunde fragte, warum linke Stimmen unter Generalverdacht stünden, während rechtsextreme Gruppen oft ungehindert agieren könnten. Ein anderer kritisierte Weimers Eingriff und argumentierte, ein Kulturbeauftragter dürfe nicht über Literaturpreise entscheiden.
Der Eingang der Buchhandlung hat sich inzwischen zu einem Ort des Protests gewandelt. An der Wand neben der Tür hängen politische Plakate – eine Regenbogenflagge, Flyer gegen rechtsextreme Gewalt –, die den Widerstandsymbolisieren. Doch nicht alle Reaktionen sind positiv. Manche Besucher betrachten den Laden nun mit Skepsis und fragen sich, wie linke Literatur im aktuellen Klima wahrgenommen wird. Andere befürchten, der Vorfall könnte eine breitere Zensurwelle auslösen, bei der Buchhandlungen auf Linientreue überprüft und Fördergelder gestrichen werden.
Entschlossen, sich zu wehren, hat Zur schwankende Kugel Klage eingereicht. Das Ziel: die Auszeichnung zu erstreiten, die die Jury ursprünglich für den Laden vorgesehen hatte. Doch der Fall hat eine größere Dimension angenommen. Für die Buchhandlung und ihre Verbündeten geht es um kulturelle Freiheit – und die Frage, ob politische Einflussnahme die deutsche Literaturszene prägen wird.
Der Ausschluss von Zur schwankenden Kugel hat aus einer routinemäßigen Preisverleihung eine bundesweite Debatte gemacht. Während Kunden die Buchhandlung weiter unterstützen, werden Gerichtsverfahren zeigen, ob die Entscheidung Bestand hat. Das Ergebnis könnte wegweisend dafür sein, wie kulturelle Auszeichnungen – und abweichende Stimmen – künftig behandelt werden.
2025 Exklusionen offenbaren Muster politischer Einflussnahme bei Auszeichnungen
Neue Details zeigen, dass die 2026-Kontroverse auf einer Entscheidung aus dem Jahr 2025 basiert. Der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nahm drei Buchläden im Jahr 2025 von der Liste der Auszeichnungen:
- Goldenes Ladengeschäft (Bremen)
- Buchhandlung Rote Straße (Göttingen)
- Buchhandlung zur schwankenden Weltkugel (Berlin).